Seufzer im WC
Eine Teufelin? Eine skrupellose Giftmischerin? Auch das ist Lucrezia Borgia. Doch vor allem ist sie unglücklich. Verheiratet mit einem brutalen Machtmenschen und Mutter eines verheimlichten unehelichen Sohns, dessen Liebe sie sucht, obwohl sie ihm die Wahrheit nicht sagen kann. Am Theater St. Gallen hat der Regisseur Tobias Kratzer Donizettis Stück auf die Bühne gebracht. Während der Ouvertüre zeigt er Lucrezia am Toilettenfenster, wo sie sich fortträumt aus dem goldenen Käfig ihrer Ehe mit Alfonso. Mit dem gleichen Bild endet die Aufführung.
Doch jetzt ist sie am Rand des Wahnsinns: Um sich für eine öffentliche Demütigung zu rächen, hat sie eine Clique junger Männer in die Falle gelockt und vergiftet; zu spät erkennt sie, dass sich ihr Sohn Gennaro unter den Opfern befindet.
Der von Rainer Sellmaier entworfene Bungalow steht irgendwo im heutigen Italien; Alfonso ist ein Industrieller, vielleicht auch ein Mafiaboss. Der einstöckige Bau lässt sich drehen, so dass die großen Fenster den Blick in unterschiedliche Räume freigeben. Drinnen Designermöbel und zeitgenössische Kunst. Ein Blutfleck unter dem Teppich deutet auf die Verbrechen, mit denen Alfonsos Macht und Reichtum erkauft ...
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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Alfred Ziltener
Eingekürzte «Zauberflöten» oder Kinderfassungen des «Freischütz» sind ja ganz nett. Aber den gewachsenen Ansprüchen an die Kinderoper genügen sie nicht. Und Humperdincks «Hänsel und Gretel» erscheinen doch langsam – pardon, das ist nicht hexenfeindlich gemeint – ein wenig ausgebrannt. Neue Stücke müssen her. Stücke, die den Zeitgeist treffen und einem jungen...
Bergen ist nicht Sevilla. Ein attraktiver Opernort will die zweitgrößte Stadt Norwegens aber sein – erst recht, seit die ehrgeizige schottische Intendantin Mary Miller vor gut vier Jahren die Geschicke der erst 2005 gegründeten Bergen National Opera übernommen hat. Auch wenn sie dabei besonders auf Stücke setzt, die im Norden bisher wenig gespielt wurden, darf ein...
Und meine liebe Muse bleibt mir noch fern? Schweigend harrte ich ihres Besuches; durch Bitten wollte ich sie nicht beunruhigen. Denn die Muse, wie die Liebe, beglückt nur freiwillig. Wehe dem Toren, wehe dem Lieblosen, der, was sich freiwillig ihm nicht ergibt, mit Gewalt erzwingen will!»
So schreibt Richard Wagner im Mai 1857 an Mathilde Wesendonck, fünf Jahre...
