Klingende Rede, beredter Klang
Trompeten erschallen mit mutigem Ton und gehen, während daß verwandelt wird, in ein wildes Kriegsgetümmel über, das Orchester fällt ein bei offener Szene und wird von kriegerischen Instrumenten hinter der Szene begleitet.» Keine Frage: Friedrich Schiller wusste ziemlich genau, was er hören wollte zwischen der fünften und sechsten Szene des zweiten Akts seiner «Jungfrau von Orleans». Schließlich konnte er fest damit rechnen, dass bei allen Aufführungen ein groß besetztes Symphonieorchester im Graben sitzen und ebenso eine Bühnenmusik zur Verfügung stehen würde.
In heutigen Aufführungen bleibt dagegen nicht nur der Orchestergraben in der Regel leer. Wir haben uns auch angewöhnt, solche Regieanweisungen mit einer Selbstverständlichkeit zu überlesen, die man vor dem Hintergrund der Theatergeschichte nur erstaunlich nennen kann. Das trifft auf Regisseure und Dramaturgen ebenso zu wie auf viele Literatur-, Theater- und Musikwissenschaftler. Bis heute widmen sich vergleichsweise wenige wissenschaftliche Publikationen den musikalischen Phänomenen, die für die Autoren der Theaterstücke eine ebenso selbstverständliche wie wichtige Rolle spielten. Dabei spiegelt sich ihre Bedeutung schon im ...
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Opernwelt Jahrbuch 2018
Rubrik: Sprechen und Singen, Seite 68
von Michael Stallknecht
Ohne Spiel wäre die Menschwerdung des Menschen undenkbar, glaubte Friedrich Schiller. Nur als homo ludens sei dieser imstande, Sinn zu stiften. Nicht als auktorialer Erzähler, der über das Gute, Wahre und Schöne verfügt, sondern als Suchender in offenem Terrain. Der spielende Mensch handelt, spricht, tanzt, singt gleichsam auf Probe, um sich zu erkennen und die...
«Es schadet nichts, auf einem Entenhof geboren zu sein, wenn man nur in einem Schwanenei gelegen hat!» Kaum ein geflügeltes Wort Andersens ist in Dänemark so häufig parodiert worden wie diese Stelle aus dem «Hässlichen jungen Entlein». Auch Rued Langgaard lädt dazu ein. Das Künstlerkind wuchs auf in Kopenhagens feinem Viertel Gammelholm – alles außerhalb dieser...
Ohne den dunklen Gevatter funktionierte diese Forschung früher nicht. Sehr genaue, anatomisch weitgehend korrekte Zeichnungen konnte Leonardo da Vinci im 15. Jahrhundert anfertigen, von der Zunge, vom Rachen, vom Kehlkopf. Doch vor der Niederschrift seiner Forschung samt Illustrationen stand die Arbeit mit dem Messer. Das Universalgenie schnitt die Hälse...
