Honegger: Johanna auf dem Scheiterhaufen
«Johanna auf dem Scheiterhaufen», das Oratorium des katholischen Mystikers Paul Claudel, dem der Kalvinist Arthur Honegger eine musikalische Dimension hinzufügte, die er selbst nur als Dienerin der Poesie verstanden wissen wollte, ist immer wieder auch auf der Opernbühne zu sehen. Die lockere, fast filmische Szenenfolge und das vielfältige Personal reizen Regisseure ebenso wie die Rahmenhandlung – die Rekapitulation der Lebensgeschichte des Mädchens aus Domrémy, wie sie Frère Dominique für die todgeweihte Jeanne unter dem Scheiterhaufen vornimmt.
Lorenzo Fioronis Kasseler Versuch, das Oratorium szenisch im provisorischen Kasseler Zelttheater zu realisieren, verleiht dem Werk noch eine weitere Ebene. Die Rahmenhandlung wird in die Gegenwart verlegt, genauer in die Spielstätte einer Hobbytheatergruppe, welche den Charme einer Bahnhofsgaststätte alten Stils hat. Pfarrer Dominik (Jürgen Wink) ist hier der Leiter eines geistlichen Laienspiels. Die Personen, die Rollen bekommen haben oder in den diversen Volksgruppen mitwirken, sind ganz normale Menschen, die auch einmal zu spät kommen und sich dafür den Tadel der Zuverlässigeren anhören müssen.
Natürlich konzentriert sich alles auf die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Monsieur Foccroulle, wenn Sie die dreizehn Jahre Ihrer Intendanz am Théâtre La Monnaie Revue passieren lassen – was war für Sie die wichtigste Erfahrung dieser Zeit?
Zweifellos die Uraufführung neuer Stücke. Die Entstehung eines Werks von der ersten Idee bis zur Bühnenreife zu begleiten, der Dialog mit Komponisten, Librettisten und Regisseuren über etwas, das nie...
Sieben CDs hat «Opernwelt» bisher herausgebracht – exklusiv für unsere Leser. Immer waren es Aufnahmen, die erstmals auf CD erschienen. Und immer haben wir Künstler in den Mittelpunkt gestellt, die von der Plattenindustrie kaum beachtet oder einseitig eingesetzt wurden. Martha Mödl zum Beispiel war wirklich glücklich, dass sie am Ende ihrer langen Laufbahn auf der...
Die 1956 von der Firma RCA in Rom produzierte Aufnahme von «La traviata» hat auf dem deutschen Markt von Anfang an nur eine marginale Rolle gespielt, verschwand dann im Stereo-Zeitalter gänzlich aus dem Katalog und wird erst jetzt, fünfzig Jahre später, auf CD neu aufgelegt. Ein merkwürdiger Fall, denn es handelt sich um die beste Studio-Einspielung des Werkes aus...
