Diener der Musik
Wer Carlo Maria Giulini nie auf einer Probe erlebt hat, kann das per DVD nachholen. Bei Arthaus ist ein Mitschnitt seiner Arbeit an Bruckners Neunter mit dem Orchester des SWR erschienen. Man sieht den Maestro in seiner Spätphase. Dreiundachtzig ist er, ganz Grandseigneur natürlich, groß, schlank, der Musik inbrünstig hingegeben. Was die Probentechnik betrifft, trennt er klar zwischen Ansagen (meist vorweg) und «Musizieren». Die Musik selbst soll sprechen, auch auf der Probe. Dann findet sich alles Weitere.
In Bezug auf seine Zuhörer dachte Giulini ganz ähnlich: «Ich finde, die Leute sollten auf die Musik hören. Meinungen über die Interpretation sind nicht so wichtig.»
Darin war sich Giulini mit seinem Vorbild Toscanini einig. Ansonsten freilich blieb er ein Maestro, wie er unitalienischer nicht sein konnte. Kein despotischer Pultstar, der seine Truppe mit Feldherrengesten zum Rapport beordert wie Riccardo Muti; aber auch keiner mit einem tickenden Uhrwerk im Leib wie Toscanini. Keine wutschnaubenden Temperamentsausbrüche unterbrachen seine Proben. Wenn überhaupt, dann erinnerte Giulini an die Versenkungswut des Pianisten Arturo Benedetti Michelangeli.
Auch bei seinem Repertoire ...
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