Die Steppe lebt
Der Cowboy, der uns in der Steppe rund hundert Kilometer vor der Hauptstadt entgegenkommt, spricht russisch. Er könnte aus einem Bilderbuch stammen oder aus einem anderen Jahrhundert. Das naturgegerbte Gesicht, schwarze Lederjacke, die mit dem Pferderücken verwachsene schlanke Gestalt. So stellt man sich jemand vor, der mit Lasso, Hund und Reitkünsten in Zentralasien eine größere Rinderherde in Schach hält. Wären da nicht die Adidas-Streifen an seiner Trainingshose. Aus seinem Kopfhörer rockt Prince, und ein Handy hat er auch. Kasachstan: ein Land im Umbruch.
Während draußen die alten Kolchosen buchstäblich zerfallen, die Gänse Wasser aus Pfützen schlürfen und die Schlaglöcher so tief sind, dass die Autos gewissenhaft Slalom fahren, wächst Astana als Megalopolis des 21. Jahrhunderts. An den Ufern des Jesil drängen sich dort Glaspaläste und schicke Wohntürme; Norman Foster, der Star-Architekt, hat ein zeltförmiges Einkaufsparadies gebaut, in dessen oberster Etage man sich auch im Winter in einem «Sky Beach Club» räkeln kann, nebenan soll ein Dinopark die Kids bespaßen. Es gibt Halloween-Partys und eine Straße mit Themen-Restaurants. Die Lobby im Fünf-Sterne-Hotel des ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Stephan Mösch
Schon seit Längerem zerfließen die Grenzen zwischen traditioneller und historisch informierter Aufführungspraxis von Musik zugunsten eines dritten Weges, der Elemente beider Interpretationsansätze miteinander verbindet. Die Berliner Barock Solisten stehen geradezu beispielhaft für die heute schon fast selbstverständliche Offenheit und Flexibilität, mit der...
Wer nur für einen halben Tag nach Madrid reist, bekommt den südeuropäischen Moloch mit seinen sozialen Brennpunkten kaum zu sehen; er kann sich auf einen idyllischen Stadtausschnitt um das Teatro Real beschränken, über die arkadengesäumte Plaza Mayor (hinter der das Gewirr der Altstadtgassen beginnt) und zum einen Steinwurf entfernten Königspalast schlendern (aber...
Das Wunder bleibt aus. Kein Blitz entzündet – wie vom Librettisten Victor-Joseph Etienne de Jouy vorgesehen – am Ende Julias Schleier, um die heilige Flamme wieder zu entfachen. Bei Regisseur Eric Lacascade kommt das magische Licht in «La vestale» ganz profan zurück: Auf Wink der Oberpriesterin greift eine Vestalin zu einer Dekoleuchte. Der Pontifex maximus und...
