Editorial Februar 2019
Die Rolle, in der er 1952 in Bayreuth debütierte, ist winzig. Hermann Ortel fällt kaum auf, wenn sich Wagners Nürnberger Meistersinger zur «Zunftberatung» treffen. Für den damals gerade 26-jährigen Sänger indes hatten die ersten Worte des Seifensieders besondere Bedeutung: «Immer am Ort.» Theo Adam war ein weltläufiger Lokalpatriot, der seiner Geburts- und Heimatstadt Dresden ein Leben lang die Treue hielt.
Für ihn war das durch deutsche Hybris aufs Spiel gesetzte und von englischen Brandbomben verwüstete Elbflorenz nie untergegangen, der Glaube an die Wiederauferstehung einer sich auf Bach und Beethoven, Schiller und Goethe besinnenden Kulturnation nie erloschen. Sich selbst sah er dabei als Teil einer bürgerlichen Elite, die das geistige Erbe auch unter den Bedingungen des 1949 ausgerufenen Arbeiter- und Bauernstaats lebendig zu halten suchte.
Dass Theo Adam in der Musik seine Berufung und seinen Beruf finden würde, hatte sich schon früh abgezeichnet: Von 1937 bis 1944 sang er unter Rudolf Mauersberger im Kreuzchor – ein geschützter Raum inmitten des von Hitlerdeutschland vom Zaun gebrochenen Krieges, dem er sich am Ende doch nicht entziehen konnte. Nach Fronterfahrungen und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten & Albrecht Thiemann
Also schön, spielen wir das Spiel vom Tod. Tun wir so, als ob die Musik zu ihrem Recht käme und der Verschwörerwille an sein Ziel: den Herrscher zu stürzen, wie auch immer es geschehe. Geben wir ihnen, wonach ihr Sinn begehrt, führen wir sie aufs Glatteis ihrer Wahrnehmung, legen wir, hämisch grinsend, ihre tiefsten Wünsche frei ...
Es ist die Perfidie in...
Mitte Dezember, ein Samstagmorgen auf dem Hauptplatz in Biel. Markant das in die Häuserzeile eingebaute Stadttheater, davor herrscht Wochenmarkt. Bunt ist das Angebot, es wird gelacht und geplaudert – man kennt sich eben. Vielleicht wird auch über die Opernpremiere von gestern gesprochen, einen Abend mit zwei Einaktern aus dem späteren 20. Jahrhundert. Vor der...
Diese Leichtigkeit. Sie war eine Gabe, ein Geschenk. Und eine Haltung, die seinen Blick auf die Welt zeitlebens prägte. Hans-Klaus Jungheinrich war ein unstillbar neugieriger, unbestechlicher, blitzgescheiter Beobachter, der in beneidenswert flüssiger Anschaulichkeit beschrieb, was er sah, hörte, erlebte. Auch wenn die Musik das Gravitationszentrum seiner...
