Talentschmiede

Agenturen haben hier nichts zu melden: Wie Cristina Muti, Präsidentin des Ravenna Festivals, hochbegabte junge Stimmen findet und fördert

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Die präpotenten römischen Besatzer tragen Brustpanzer aus Plastik. Vittoria Yeo, Oberpriesterin der naturverbunden matriarchalischen Gallier, darf als Norma zu ihrer Signet-Arie «Casta Diva» eine Mondsichel in Händen halten. Die in edlen Tableaux erstarrten Damen und Herren des überwältigend eloquenten Chores behaupten die Ursprünglichkeit ihrer den Eroberern trotzenden Kultur qua Sandalenfilm-Historismus. Cristina Muti inszeniert Bellinis «Norma» aus dem Opernbilderbuch in Omas Schrank.

Im intimen Rahmen des schnuckeligen Logentheaters der Dante-Stadt, das denn auch den Namen «Teatro Alighieri» trägt, wirken diese Bilder freilich gar nicht angestaubt, sondern so stimmig wie liebevoll – und demütig.

Riccardo Mutis Gattin, die als Präsidentin des Ravenna Festivals im Herbstableger der sommerlichen Festspiele zur Operntrilogie an drei Folge­tagen lädt, lebt ihr Selbstverständnis, dass Regie der Musik und dem Libretto zu dienen habe und nicht den Flausen von egomanen Interpreten, konsequent aus. Ihr geht es darum, junge Sänger im besten, wenn auch gern etwas mythendunklen Licht erscheinen zu lassen. Denn ihre vornehmeste Aufgabe versieht Signora Cristina als Talentscout. In ...

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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Peter Krause

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