Zusammen und doch allein
Einen Moment lang, als das überschaubare Publikum die Treppe zum Dachgeschoss des Historischen Zentrums in Wuppertal-Barmen mit dem Familienhaus von Friedrich Engels hinaufklettert –, einen Moment lang scheint dieser Ort der ideale Platz, um wie weiland der junge Engels in seinen «Briefen aus dem Wuppertal» gegen die Folgen der Industrialisierung zu wettern. Allerdings «glänzt» diese Industrie heute nicht mehr durch Ausbeutung und Kinderarbeit, sondern eher durch Abwesenheit und Strukturschwäche.
Wuppertal ist pleiter als pleite, die Einwohner verlassen die Stadt, das Schauspielhaus wurde zwecks Sanierung geschlossen, aber niemand weiß, ob es 2012 wirklich und zu welcher Nutzung wieder eröffnet wird.
Das alles wäre, so denkt man beim Ersteigen der engen Stiege, wahrhaftig ein Thema für einen politischen Musik- (theater)abend, wie ihn der Regisseur und Theaterpädagoge Markus Höller aus agitatorischen Stücken des späten 20. Jahrhunderts zusammengestellt hat. Der Titel «Herrschaft, Arbeit und Soziales» – deutlich inspiriert von Enno Poppes und Marcel Beyers Stück «Arbeit Nahrung Wohnung» – ist indes nur eine modische Blaupause für eine soziale Schieflage, die nicht hinterfragt, sondern ...
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Opernwelt Februar 2012
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Michael Struck-Schloen
Das konnte nur anders, nur besser werden. Der Blick ins Archiv ruft geradezu grauslige Erinnerungen wach. 1971/72: erst Wagners «Tristan», vom einst großen Titelsänger Wolfgang Windgassen als Regisseur schmählich vertan, dann Gounods «Roméo et Juliette», auf der Szene desaströs vermurkst. Beide Male mit einem älteren Kapellmeister am Pult, der den Geist der Werke...
Erich Wolfgang Korngolds Oper «Die tote Stadt» ist ein Reißer sondergleichen, mit allen Ingredienzen einer Erfolgsoper, und ganz zu Recht neuerdings wieder viel gespielt. Allerdings verbindet sich mit diesem Werk auch einer der traurigsten Opernmitschnitte, vergleichbar nur mit den Aufnahmen der letzten öffentlichen Auftritte von Maria Callas. Die Doppelrolle des...
Opernaufführungen in bourgeoisem Ambiente anzusiedeln – vorzugsweise in Treppenhäusern bürgerlicher Villen – scheint en vogue. Claus Guth hielt dies schon öfter so, bei seinem «Fliegenden Holländer» in Bayreuth beispielsweise oder beim Salzburger «Figaro». Auch Mariame Clément verortete Rameaus «Castor et Pollux» in ähnlichem Ambiente, suchte den Dioskuren-Mythos...
