Glasperlenspiel

Sydney: Dean: Bliss

Opernwelt - Logo

Den 1981 veröffentlichten Roman «Bliss» von Peter Carey für das Musiktheater heranzuziehen, ist eine erstaunliche Wahl. Ein disparates, solipsistisches Prosawerk, das für die Bühne ungeeignet scheint. Man spürt die Problematik, wenn man Amanda Holdens Libretto liest. Struktur und Stil eines Textes tragen nicht unwesentlich zum Gelingen (oder Scheitern) der auf eben diesem Text basierenden Oper. In dem nun in Sydney uraufgeführten Stück ist das Material der Vorlage zu einem lose gefügten Melodrama arrangiert. Wie Glasperlen einer bunten Halskette reiht sich Episode an Episode.

Auf rund 30 Szenen und drei Akte hat die Librettistin die «Handlung» verteilt. Doch was dem Ganzen fehlt, sind glaubhafte Gefühle, ein emotionales Gerüst: Die Figuren bleiben blass, entfalten kaum einmal jene lebendige Interaktion, die gutes Musikdrama braucht.

Es geht um persönliche, familiäre und soziale Zerrüttungen, angetrieben von Habgier und hemmungsloser Libertinage. Während einer Geburtstagsfeier erleidet der Werbeunternehmer Harry Joy einen Herzinfarkt, von dem er sich nie mehr erholt. Er erkennt die Verwerflichkeit seiner Arbeit und verliebt sich (die achtziger Jahre lassen grüßen!) in eine «grüne» ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2010
Rubrik: Panorama, Seite 47
von John Carmody

Vergriffen
Weitere Beiträge
Nachhaltig

Leipzig hält seinen Bach hoch, Halle seinen Händel – alles bekannt. Doch keine mitteldeutsche Stadt hat wohl so viel Grund, sich an einem barocken Komponisten aufzurichten, wie Magdeburg an Georg Philipp Telemann. Denn woher soll das Bewusstsein für die eigene Vergangenheit, soll eine Identität kommen in dieser von Krieg und DDR-Kahlschlagplanung ruinierten Stadt,...

Alternative Avantgarden

Mit Hermann Wolfgang von Waltershausens «Oberst Chabert», 1912 in Frankfurt/M. uraufgeführt und über 100-mal von London (Covent Garden) bis New York (Met), Stockholm, Wien, Prag und Riga nachinszeniert, endet der Ausgrabungszyklus der Ära Kirsten Harms an der Deutschen Oper Berlin. Alternative Avantgarden nach 1900 wurden hier vorgestellt: neuartige...

Verwünscht und unverhofft

Au diable! Hoffmanns Verwünschung am Schluss hätte sich sehr wohl auch auf die neue Produktion seiner Opéra fantastique am Opernhaus Zürich beziehen können. Denn auch die Berufung auf die von Michael Kaye und Christophe Keck erstellte Fassung aus dem Jahr 2005 bewahrte sie nicht vor der zweimaligen Intervention des Teufels. Der ließ zunächst einen Tag vor...