Unter Schock
Mozart, Wagner, Massenet, Puccini, Strauss, Berg – Donald Runnicles hat an der Met bereits ein breites Repertoire dirigiert. Das Ergebnis bewegte sich dabei eher auf Alltags- als auf Festspielniveau. Die Premiere der neuen Produktion von Brittens «Peter Grimes» ergab ein anderes Bild. Runnicles gelang eine erstklassige Aufführung, vom ersten bis zum letzten Takt: nicht weniger packend in den Momenten gespannter Stille als in den stürmischen Ausbrüchen, die Orchesterzwischenspiele ebenso spannend wie der naturalistische Dialog.
Das Meer war in der Musik stets gegenwärtig, bisweilen matt, bisweilen voller Erwartung, bald erhaben, bald kosmisch indifferent. Der von Donald Palumbo vorbereitete Chor war, ganz im Sinne des Stücks, die «Hauptperson» des Geschehens.
Der Titelheld bleibt ein Rätsel. Ist er Unmensch? Opfer? Das knabenhafte Gesicht, die Aura verbeulter Unschuld und die hünenhafte Statur von Anthony Dean Griffey hoben die ganze Widersprüchlichkeit der Figur hervor. Die lyrischen Naturbetrachtungen sang er poetisch verträumt, die plötzlichen Zornattacken brachen hervor wie aus höllischen Seelenqualen. Griffeys Timbre evozierte bisweilen in unheimlicher Weise Erinnerungen an Jon ...
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Oft geht dramaturgischer Ehrgeiz dahin, das veristische Dioskurengespann «Cav/ Pag» zu trennen und mit anderen Partnern zu kombinieren. Manche Regisseure unterstreichen lieber die Gemeinsamkeiten. Giancarlo del Monaco führte vor Jahren in Bonn alle Figuren zu einem schicksalsschweren Finale zusammen, etwas simpler operierte in Gelsenkirchen Gabriele Rech in...
Sie hatte einen wunderbar präzisen Humor. Als Inga Nielsen, noch ganz junge Sängerin, einen Vorsingtermin bei Herbert von Karajan bekam, war sie verständlicherweise aufgeregt. Der Maestro mit den stahlblauen Augen fixierte sie scharf und sagte etwas wie: «Nun seien Sie doch nicht nervös. Wir wollen nur ein bisschen Musik machen.» Sie konterte: «Wären Sie etwa nicht...
