Editorial August 2019
Die Geschichte stimmt nachdenklich, wenn nicht traurig. Doch der Titel eines wunderbaren Buches von Mirjam Pressler gibt Anlass zur Hoffnung: «Wenn das Glück kommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen». Etwas in dieser Art dürfte Ralf Waldschmidt empfunden haben, als er die Partitur jenes im Jahr 1900 vollendeten Stücks durchblätterte, das nach seiner späten Uraufführung 1931 in der Versenkung verschwand und erst wieder auftauchte, als Michel Plasson es (mit Hildegard Behrens und José van Dam) 1986 für Schallplatte einspielte: Albéric Magnards «Guercœur».
Der Intendant des Theaters Osnabrück setzte diesen selbst in Fachkreisen weithin unbekannten, zwischen Grand Opéra und Oratorium ausgespannten Dreiakter auf den Spielplan des Theaters Osnabrück und erzielte damit – nicht zuletzt dank der plastischen musikalischen Darstellung unter Andreas Hotz und der griffigen Inszenierung von Dirk Schmeding (der ersten überhaupt) – einen Riesenerfolg (Seite 10).
Es ist keine neue Erkenntnis, dass hochwertige Raritäten den Spielbetrieb (und das Denken) beflügeln. Doch um den Rahmen des Erwartbaren zu erweitern, bedarf es risikofreudiger Theatermacher, die das Publikum mitnehmen. Zum Glück steht ...
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Opernwelt August 2019
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten & Albrecht Thiemann
Das Theater Basel war nicht wiederzuerkennen. Der Zuschauerraum fand auf der weit geöffneten Bühne eine spiegelsymmetrische Fortsetzung, längs durch den ganzen Raum zog sich ein schwarzer Laufsteg, der, absinkend und wieder aufsteigend, von der einen Seite zur anderen führte. Er war beidseits gesäumt von Publikum – außer dort, wo zwei Flächen frei blieben für die...
Über Geschmack soll man ja eigentlich nicht streiten. Aber der Buhrufer, der sich beim Premierenapplaus in der Mailänder Scala über den Dirigenten heiser brüllt, besitzt zweifellos einen merkwürdigen. Ist Michele Mariotti doch gelungen, was bei Giuseppe Verdis «I masnadieri» alles andere als einfach ist: dem eher selten gespielten Werk zumindest musikalisch eine...
Karlheinz Stockhausens monumentaler Musiktheaterzyklus «Licht» scheint Konjunktur zu haben: Anfang Juni hatte das Holland Festival mit 14 Stunden immerhin die Hälfte in Szene gesetzt, vier Wochen später realisierte nun Le Balcon zwei Vorstellungen des «Samstag» in Paris, nachdem es im vergangenen Herbst bereits den «Donnerstag» an der Opéra Comique herausgebracht...
