Seelenräume
Mit realistisch ausgerichtetem Musiktheater würde man sich bei Mozarts «Idomeneo» mit seiner noch in vielem den Abläufen der alten Opera seria geschuldeten Form schwer tun. So verzichtete Kay Kuntze in seiner Bremer Regiearbeit denn auch auf wirklichkeitsgetreues szenisches Abbilden und verlegte sich auf eher rational durchgestaltete Bewegungsabläufe von distanzierter Emotionalität, bisweilen verlangsamt oder ritualisiert im Stil von Robert Wilson.
Affekte wurden unterstrichen durch charakteristische, expressive Gesten, und neu hinzuerfundene stumme Figuren – die Geister von erschlagenen Trojanern bei den Auftritten der Ilia etwa – dienten der Visualisierung unterschwelliger Stimmungen. Ein insgesamt unaufgeregtes, weniger an äußerlicher Dramatik denn an der Verdeutlichung von Seelenzuständen orientiertes Szenogramm, dem Werk gegenüber von subtilem, aber nie sich vordrängendem Deutungsanspruch.
Ganz ähnlich das mit neuesten technischen Mitteln gestaltete Bühnenbild der Bremer Licht-Designerfirma Urbanscreen. Diese «Lichtakrobaten», wie sie sich selbst bezeichnen, haben eine neuartige Videotechnik entwickelt, die passgenaue Projektionen auf ein reales Objekt ermöglicht. Für das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Gerhart Asche
Ein Anfang vor dem Anfang. Noch ehe der Dirigent den Taktstock hebt, hat Richard Wagners «Parsifal» in Basel bereits begonnen. Ein farbiger älterer Herr bahnt sich den Weg vors Parkett, blickt ernst ins Publikum, nimmt an dem Tischchen links vorn vorm Graben Platz, stützt den Kopf in die Hand, sinnt. Auf dem Tisch eine Lampe, eine Partitur und ein Foto von...
Ach, Aida, wie siehst du nur aus! So ruft unsere innere Stimme, als Gweneth-Ann Jeffers die Bühne betritt, mit einer Ledermappe in der Hand und müder Miene, in miserabel sitzender Kniehose und Oma-Gerda-aus-Pusemuckel-Bluse. Eine Sklavin ist sie nicht, die äthiopische Königstochter, aber eben auch keine Königstochter mehr. So wie Amonasro, ihr auch vokal...
Vivi, tiranno: Bertarido hat gerade das Leben des Usurpators Grimoaldo gerettet, dennoch erwartet er den Tod. Seinen Zorn entlädt er in heftigen Wutaffekten und Koloraturkaskaden. Darin lässt Bejun Mehta, zur Zeit quasi der «King» der Counters, sich nicht lumpen: Kristallklar und gestochen kommen sie, technisch makellos gebändigt trotz aller Intensität. Freilich,...
