Auf Abwegen
Temple Bar an einem Abend im Oktober. Massen von Menschen schieben sich durch das pittoreske Ausgehviertel von Dublin. Die Luft ist herbstlich kühl, aber angenehm lau, etliche Halloween-Parties locken das Publikum an. Ein gruseliges Schauspiel besonderer Art erwartet all jene Besucher, die zum Project Arts Centre abbiegen, dessen blaugläserne loftartige Architektur zwischen den alten Backsteingebäuden hervorleuchtet. Auf dem Programm steht dort «Heresy», eine elektronische Oper des irischen Komponisten Roger Doyle.
Darin geht es um Giordano Bruno, der 1600 als Ketzer auf dem Scheiterhaufen endete.
Üppige finanzielle Mittel, um das Schicksal dieser schillernden Renaissancepersönlichkeit zu schildern, die an zahlreichen europäischen Fürstenhöfen und Universitäten zugleich Furore (und sich auch gerade deswegen viele Feinde) machte, stehen für die Produktion nicht bereit. Das erklären Doyle und der Regisseur Eric Fraad während eines Gesprächs in einer Bar gegenüber. 150 000 Euro bewilligte der Arts Council für die Aufführungen – in der Tat nicht viel, wenn man bedenkt, dass die feste Operninfrastruktur in Irland nach der Auflösung der Opera Ireland nur noch auf dem Wexford Festival ...
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Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Carsten Niemann
Im Anfang ein Bild, erschütternd und versöhnlich zugleich. Zwei Schlafende, womöglich Tote, Manon Lescaut und der Cavaliere Des Grieux. Reglos liegen sie im Bühnensand. Ein Spiegel trennt das verunglückte Paar, doch über dem Glas haben sich ihre Hände in einer letzten, zarten Berührung gefunden. Andrea Breth inszeniert erstmals Puccinis (lange nicht sonderlich...
Die Kaiserin hat sie dieses Mal nicht getroffen. Vier Jahre ist es her, dass Edita Gruberova in Tokio den erschrockenen Taxifahrer aufforderte, sie zum Palast zu bringen. Ihre Hoheit hatte zum Privatissimum gebeten, um selbst am Klavier einige Lieder zu begleiten. Zwei Regentinnen unter sich, musizierend, dann beim Tee, gern wäre man bei diesem Gipfeltreffen dabei...
Altenburg, Ost-Thüringen, Oktober 2016. Kurz vor dem Ende der Kundgebung am Roßplan richtet Frank Schütze, Sprecher des sogenannten «Bürgerforums Altenburger Land», noch einen Appell an «die Freunde» – für den Nachhauseweg, mit Blick auf eine kleine Gruppe lautstark protestierender Gegendemonstranten: «Bitte zertretet kein Geschmeiß.» Eine Stunde lang haben Schütze...
