Fast eine Uraufführung
Das alte Holz knarzt, die Treppenstufen geben leicht nach, trockene, würzige Luft zieht durch den Raum. Ein Raum, der im Wesentlichen noch so erhalten ist wie zur Entstehungszeit um 1680. Der Besuch im Ekhof-Theater im Gothaer Schloss Friedenstein ist ein Erlebnis für alle Sinne, für Augen, Ohren und Nase – und auch für die Hände, die behutsam über die Maserung des Geländers fahren. «Das Vergangene ist nicht tot, es ist nicht einmal vergangen», schießt es einem mit William Faulkner durch den Kopf. Herzog Friedrich I.
von Sachsen-Coburg-Altenburg ließ das kleine Theater einst in das Schloss einbauen, das sein Vater sinnfällig «Friedenstein» nannte – weil es am Ende des Dreißigjährigen Krieges errichtet wurde. Heute gehört es zu den ältesten erhaltenen Barocktheatern, eine Preziose, die den Vergleich mit dem Markgräflichen Opernhaus in Bayreuth oder dem Schlosstheater von Sanssouci nicht zu scheuen braucht. Benannt ist es nach dem Schauspieler Conrad Ekhof, der in Gotha wirkte, und bekannt vor allem wegen seiner damals avantgardistischen Bühnenmaschinerie, die, gut gepflegt, bis heute funktioniert.
Seit 1996 nutzt das wackere Ekhof-Festival die Bühne im Sommer. Die Idee: vergessene ...
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Opernwelt November 2014
Rubrik: Magazin, Seite 82
von Udo Badelt
Krishna kriegt den meisten Applaus. Er singt Bass und hat als solcher nicht viel zu tun. Aber aussehen tut er fantastisch: ein schöner, goldener Gott mit vier Armen, Flöte und Fingern, die Symbole in die Luft malen. Gandhi singt Tenor, eine hohe, helle Stimme. Auch er kriegt viel Applaus. Mild und leise, wie er lächelt, kann es sich nur um einen Visionär handeln....
Wes Geistes Kind «Atys» auch ist: In Kiel lässt die Zentralperspektive des Bühnenraums zumindest ahnen, warum gerade diese Tragédie lyrique von Jean-Baptiste Lully gern als opéra du roi bezeichnet wird. Alle Bodenlinien zielen letztlich auf König Ludwig XIV., der unsichtbar bleibt, sich hier einmal nicht als Sonnengott in Erinnerung bringt. Selbst Götter können...
Die Zeitschrift «wagnerspectrum», 2005 von dem Hamburger Politologen Udo Bermbach gegründet und von ihm auch redaktionell betreut, hat in ihrem zehnten Jahrgang den Herausgeberkreis verjüngt und vor allem einen neuen Redakteur: Arne Stollberg (Universität Basel) legt mit Ausgabe 1/2014 sein erstes Heft vor. «Heft» ist die offizielle Bezeichnung des zweimal jährlich...
