Reise ins Licht

Wladiwostok, die russische Hafenstadt am Pazifik, war jahrzehntelang militärisches Sperrgebiet. Bis zur chinesischen Grenze sind es gerade mal 50 Kilometer. Kulturell zeigte die Kompassnadel indes immer nach Europa. Jetzt stemmten lokale Musiker und Nachwuchssänger – mit Unterstützung aus Deutschland – am städtischen Theater Mozarts «Zauberflöte». Eindrücke von einer Opernexkursion nach Fernost

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Beim Anflug auf Moskau zeigt sich der Himmel noch bedeckt, fleckig und grau. Die Bäume leuchten gelb und rot. Boote dümpeln auf matt schimmerndem Wasser, aber die Natur kann schon nicht mehr verbergen, dass der Herbst sie getroffen hat. Dann wird es noch dunkler, Nacht senkt sich über den Flughafen Sheremetyevo. Umsteigen. Der gewaltige Airbus glänzt silbern im Licht des Rollfelds, er scheint  Luft ein- und auszusaugen wie ein Raubtier kurz vor dem Sprung. Neuneinhalb Stunden fliegt so eine Maschine, eine riesige Strecke, sieben Zeitzonen – und am Ende ist man immer noch in Russland.

Grell steigt die Morgensonne über dem Pazifik auf, als das Flugzeug zur Landung ansetzt. Dann dampfende Felder im Morgennebel, in denen sich das Licht eines neuen Tages verfängt, die Luft würzig und rau, leicht angeschärft vom Seewind. Alte Bäume, zwischen denen der ausgehende Sommer noch hängt wie Wärme in einem alten Backofen. Eine lange Autofahrt durch Wälder, am Horizont die ­Ahnung riesiger Wasserflächen. Dann die ersten Werbeplakate, kleinere Häuser, zu Sowjetzeiten errichtete Wohnblocks, das Glitzern des Pazifiks. Willkommen in Wladiwostok.
Hier also, am anderen Ende der Welt, soll Europa ...

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Opernwelt Januar 2010
Rubrik: Reportage, Seite 30
von Udo Badelt

Vergriffen
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