Reise ins Licht
Beim Anflug auf Moskau zeigt sich der Himmel noch bedeckt, fleckig und grau. Die Bäume leuchten gelb und rot. Boote dümpeln auf matt schimmerndem Wasser, aber die Natur kann schon nicht mehr verbergen, dass der Herbst sie getroffen hat. Dann wird es noch dunkler, Nacht senkt sich über den Flughafen Sheremetyevo. Umsteigen. Der gewaltige Airbus glänzt silbern im Licht des Rollfelds, er scheint Luft ein- und auszusaugen wie ein Raubtier kurz vor dem Sprung. Neuneinhalb Stunden fliegt so eine Maschine, eine riesige Strecke, sieben Zeitzonen – und am Ende ist man immer noch in Russland.
Grell steigt die Morgensonne über dem Pazifik auf, als das Flugzeug zur Landung ansetzt. Dann dampfende Felder im Morgennebel, in denen sich das Licht eines neuen Tages verfängt, die Luft würzig und rau, leicht angeschärft vom Seewind. Alte Bäume, zwischen denen der ausgehende Sommer noch hängt wie Wärme in einem alten Backofen. Eine lange Autofahrt durch Wälder, am Horizont die Ahnung riesiger Wasserflächen. Dann die ersten Werbeplakate, kleinere Häuser, zu Sowjetzeiten errichtete Wohnblocks, das Glitzern des Pazifiks. Willkommen in Wladiwostok.
Hier also, am anderen Ende der Welt, soll Europa ...
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Russland sucht sich als Nation. Da müssen Ideen her. Einer schlug vor, mit sauberen Toiletten wäre schon viel gewonnen. Andere meinen, man brauche eine Oper mit historischem Sujet. Zum Beispiel der Popbarde Lew Leschenko. Der gewann den (einst innovativen) Regisseur Dmitri Bertman für das Vorhaben, Letzterer bat den Popkomponisten David Tuchmanow (Jahrgang 1940)...
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Wahrlich ein Superlativ. So spät haben die ungekürzt an einem Abend gegebenen «Trojaner» von Hector Berlioz sicher noch nicht angefangen. Es beginnt – wie in Spanien üblich – eisern um acht Uhr abends, und so gegen ein Uhr nachts kann dann endlich die Karthagerkönigin Dido in einem seltsamen Geisha-Look ihren hier aus Laptops errichteten Scheiterhaufen besteigen,...
