Ein Himmel voller Leichen

Erfurt, Glass: Waiting for the Barbarians

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Gut möglich, dass John F. Coetzee, der südafrikanische Nobelpreisträger, Becketts «Warten auf Godot» im Hintersinn hatte, als er im Jahr 1980 seinen Roman «Waiting for the Barbarians» schrieb. Hier wie dort warten Menschen darauf, dass jemand auf der Bildfläche erscheint. Und in beiden Fällen entpuppt sich das Warten als wesentliche Handlung; diejenigen, respektive derjenige (wie im Fall Godot), auf die oder den man wartete, tauchen bis zum Ende nicht auf, bleiben Phantome, Wunsch- oder besser: Schre­ckens­vorstellung.
So weit die Parallelen.

Der Rest ist mehr als ein feiner Unterschied. Coetzees Roman nämlich beschreibt das Wesen eines barbarischen Regimes. Als deutscher Leser ist man geneigt, sich – nicht zuletzt wegen der Verwendung des Wortes «Reich» – an die Nazizeit erinnert zu fühlen. Coetzee definiert nicht, welches Land er meint; er meint die Schreckensherrschaft im Allgemeinen, ohne das Besondere (Südafrikas Apartheidspolitik) gänzlich aus den Augen zu verlieren. Kurzum:  «Waiting for the Barbarians» ist eine Parabel, ja, ist, mehr noch, eine Metapher, deren Grundlage politische Realitäten ist. Taugt der Roman als Vorlage für eine Oper?
Philip Glass und sein Librettist ...

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Opernwelt November 2005
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Jürgen Otten

Vergriffen
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