Auf Distanz
Mit «Émilie», Kaija Saariahos dritter Kollaboration mit dem Librettisten Amin Maalouf, hat das Lincoln Center Festival zum wiederholten Mal ein Stück importiert, dessen Stoff zwar kulturhistorisch interessant, aber nicht augenfällig für das Musiktheater geeignet ist. Die Produktion selbst bezieht ihren Glanz denn auch mehr von erlesenen Werbefotos als aus ihrer dramatischen Brillanz. Unbestritten: Potenzial haben sowohl das Sujet – die französische Universalgelehrte Émilie du Châtelet (1706-1749), eine prominente Figur am Hof Ludwigs XV.
, überdies intellektuelle Partnerin und Liebhaberin Voltaires – als auch Saariahos harmonisch ausgewogene, rhythmisch komplexe und klangfarblich nuancenreiche Partitur. Das Drama jedoch bleibt als Folge der monologischen Form wesentlich ein inneres, wirkt zudem repetitiv und letztlich im Ablauf zäh. So drängte sich der Eindruck auf, dass «Émilie» sich eher als Gegenstand der Lektüre als der Opernbühne eignet; vielleicht hätte man am meisten vom häuslichen Hörgenuss mit begleitender Libretto-Lektüre (zumal die gekünstelte Untertitelung der Aufführung nahezu unlesbar war).
Bis heute gilt Émilie du Châtelets französische Übersetzung von Isaac Newtons ...
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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Panorama, Seite 60
von David Shengold
Frau Kulman, wir haben uns im vergangenen Sommer große Sorgen um Sie gemacht. Sie hatten während der Proben zu «Tristan und Isolde» in der Bochumer Jahrhunderthalle einen Unfall. Die Stimme war weg – und damit auch Ihr Debüt als Brangäne bei der Ruhrtriennale. Was genau ist damals passiert?
Ich erhielt einen Schlag auf den Kehlkopf. Jemand sollte mich mit einem...
Herr Schreier, Sie sind als Oratorien- und Liedsänger berühmt geworden. Die Oper kam erst später hinzu?
Ja, so ist es. Meine Entwicklung ging vom Dresdener Kreuzchor aus, von der Affinität zu den alten Meistern. Warum bin ich überhaupt zur Oper gekommen?! Ich werde es Ihnen sagen: Eine Gesangskarriere kann man nicht ohne Oper machen.
Fühlten Sie sich zur Oper...
Die «Elektra»-Musik ist die modernste und kühnste, die Richard Strauss je komponiert hat. Kreischende Dissonanzen, schlingernde Polytonalität. Das Orchester fährt pausenlos Achterbahn, wenn es alle Herausforderungen meistert. Zu den während der letzten beiden Jahrzehnte produzierten CD-Einspielungen zählen die von Daniel Barenboim (1994), Giuseppe Sinopoli (1995)...
