Sommertheater am Mississippi

Das Opernfestival in Saint Louis gibt dem Nachwuchs eine Chance und belebt selten gespielte Werke – in diesem Jahr Martín y Solers «Una cosa rara» und William Waltons «Troilus and Cressida»

Opernwelt - Logo

Seit nunmehr dreiunddreißig Spielzeiten bietet das Opera Theatre of Saint Louis ein ausgesuchtes Programm, das vom heimischen Publikum, von Besuchern aus ganz Amerika sowie von der internationalen Presse gleichermaßen geschätzt wird.

Wenn die führenden US-Häuser (die Met in New York, die Lyric Opera in Chicago, die San Francisco Opera) schon Theaterferien machen und Sommeropern wie Santa Fe oder Glimmerglass noch nicht spielen, geht in Saint Louis ein nunmehr auf fünf Wochen ausgedehntes Festival über die Bühne, das Standardrepertoire mit Raritäten kombiniert und jungen, aufstrebenden Gesangstalenten die Chance gibt, mit etablierten Regisseuren zu arbeiten. Aufführungssprache ist durchweg Englisch. Die Vorstellungen finden im intimen Loretto-Hilton Center statt. Es gibt wohl nur wenige Spielorte, die eine ähnlich enge Verbindung zwischen Sängern und Publikum schaffen. Sogar der Orchestergraben – schmal und (beinahe) so unsichtbar wie der mystische Abgrund in Bayreuth – bildet keine Barriere. Die Nachteile: Er ist so klein, dass die vorgeschriebene Zahl der Musiker in vielen Fällen reduziert werden muss. Oft mischt die trockene Raumakustik die Orchesterstimmen nicht, sondern trennt sie, was nicht gerade zu den Pluspunkten zählt. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2008
Rubrik: Magazin, Seite 38
von Kai Luehrs-Kaiser

Vergriffen
Weitere Beiträge
Schuld und Sühne

Die ganze Welt ist grau. Wie eine unüberwindbare, gleichwohl atmende Wand erstrecken sich die Plas­tik­bahnen zur Rechten und zur Linken der Bühne, die Paul Zoller ersonnen; straff gespannt und anthrazit schimmernd auf der Rückseite. Nimmt man nun noch die an der Decke befestigten Neonröhren hinzu, ergibt sich das Bild eines kühl-kargen, unbewohnten Ortes. Es ist...

Die Welt von gestern

«Überkandidelt», sagte jemand nach der Premiere von Strauss’ «Capriccio» an der Wiener Staatsoper. Das Wort mag etwas mit dem Kandieren zu tun haben, einer Konservierungsmethode für Obst, die den Zuckergehalt erhöht und den Wassergehalt reduziert. Die Assoziation hätte etwas für sich, denn der Gehalt von Strauss’ Partitur an reifer, gelegentlich überbordender Süße...

Toscanini!

Ein tönender Überfall. Kopfüber stürzt sich das Orches­tre philharmonique de Strasbourg in diesen «Fidelio». Das Fanfarenmotiv am Beginn der Ouvertüre: wie ein Startschuss, schnell, fast schon hastig, alles beiseite drückend, keinen Einwand duldend, basta. Der Straßburger Beethoven-Tonfall ist eher harsch, wie abgerissen, schmucklos drängend, ja, dringlich, Verve...