Plädoyers für die Landessprache
In einer Zeit, in der jedes deutsche Provinztheater «Jenufa» auf Tschechisch und «Eugen Onegin» auf Russisch spielt, wobei die Sänger, die sich ihren Text phonetisch eingehämmert haben, nicht verstehen, was sie singen (und das Publikum erst recht nicht), ist die Renaissance der Rundfunkaufnahmen aus der Zeit des Wirtschaftswunders ein heilsames Korrektiv. Statt der Schimäre des Authentischen nachzujagen, hat man sich damals auf die Vermittlung des musikdramatischen Inhalts konzentriert und die deutsche Sprache dabei nicht als Hindernis, sondern als Katalysator empfunden.
In anderen Ländern hat man mit dem Einsatz der Muttersprache auch weiterhin keine Probleme, wie die bis heute erfolgreiche Serie «Opera in English» bei Chandos zeigt. Fünf CD-Veröffentlichungen von europäischen Funkproduktionen, die ursprünglich nur für den Sendebedarf gedacht waren, plädieren mehr oder minder überzeugend für den Gebrauch der Landessprache.
Ein sehr frühes Dokument kulturellen Wiederaufbaus hat jetzt das Schweizer Label Relief mit einem vom NWDR (später NDR) produzierten «Faust» aus dem Jahr 1949 erstmals komplett veröffentlicht. Gounods Oper wird hier unter Wilhelm Schüchters kompetenter Leitung ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Im Jahr 2007 ließ das Theater Regensburg mit einer fulminanten Produktion von Alban Bergs «Lulu» aufhorchen. Nun folgte, ein Abschiedsgeschenk von und für Generalmusikdirektor Raoul Grüneis, der «Wozzeck». Regie führte Ballettchef Olaf Schmidt, und er animierte mit tänzerischen Ausdrucksmitteln weitere inhaltliche Dimensionen des formal extrem durchgebildeten...
Herr Pape, Sie haben als Knabe im Dresdner Kreuzchor oft vom Teufel singen müssen. Haben Sie als Kind auch an den Teufel geglaubt?
Ach wo, ich habe an den Teufel genauso wenig geglaubt wie an Gott. Der Teufel ist erst in mein Leben getreten, als ich ihn auf der Bühne dargestellt habe. Außerdem bevorzuge ich die Bezeichnung Mephisto. Das klingt nicht so negativ.
Ist...
Im 19. Jahrhundert musste man die Legende der Genoveva niemandem lang erklären. Die Geschichte jener Frau, die von einem zurückgewiesenen Verehrer fälschlich der Untreue bezichtigt und vom vermeintlich betrogenen Ehemann zum Tode verurteilt wird, gehörte zum literarischen Gemeingut des Biedermeier und der Romantik. Ludwig Tieck hatte den Stoff 1800 zu einem...
