Schöner Schrecken
Manchmal erscheint der Opernbetrieb rätselhaft. Da existiert ein wahrhaft operntheatralisches Werk – heftige Leidenschaften, Hysterie bis zum Wahnsinn, pralle Figuren, eine vehement mitreißende Musik von erstaunlicher Ausdruckspalette – und dann wird dieses Werk höchst selten gespielt. Warum? Vielleicht hat es Prokofjew mit seinem «Feurigen Engel» doch zu toll getrieben. Eine junge Frau träumt als Kind von einem Engel, der dann sogar ihr Spielgefährte wird, bis sie ihn mit der Bitte um körperliche Vereinigung erzürnt.
Er verschwindet, will aber zu gegebener Zeit wieder in Menschengestalt erscheinen. Renata, so heißt die Frau, glaubt in einem Grafen namens Heinrich den verloren Geglaubten wiederzuerkennen. Das kurze Glück währt nicht lang. Wortlos verschwindet auch Heinrich. Seither sucht Renata verzweifelt nach ihm. Ein neuer Begleiter namens Ruprecht hilft ihr dabei, verliebt sich zugleich in die Frau. Dann geht es drunter und drüber. Ein Magier und ein exakter Naturwissenschaftler mischen mit, Ruprecht trägt ein Duell mit dem Phantom Heinrich aus und wird dabei schwer verletzt. Im letzten Akt treibt der Wahnwitz dem Gipfel entgegen. Renata tritt als Novizin in ein Kloster ein, ...
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Vom deutschen Barock-Lied des 17. Jahrhunderts über Mozarts «Figaro» (Paris 2004) und «Il re pastore» (Salzburg 2006) auf DVD bis zum Live-Mitschnitt von Schumanns «Genoveva» (Wiesbaden 2006) reicht die Diskografie von Annette Dasch: Das todessüchtige «Unser Leben ist mit viel Not umgeben» von Philipp Heinrich Erlebach möge für die Vielschichtigkeit stehen, mit...
Skandale lassen sich nicht reproduzieren. Das hatte Joachim Herz wohl auch nicht im Sinn, als er 1977 bei seiner Berliner Inszenierung von Brecht/Weills «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» an der Komischen Oper einen «Mann, der damals schon dabei war» in das Personal einschleuste. Man kann in dieser Maßnahme einen nostalgischen «Blick zurück» sehen, kann sie...
Am Ende seines Lebens machte Wagner die viel zitierte Bemerkung, er sei der Welt noch einen «Tannhäuser» schuldig. Hat er im Innersten geahnt, dass das Theater dank seiner Kunst der permanenten Verwandlung einen neuen «Tannhäuser» auch ohne Hilfe des ursprünglichen Schöpfers herstellen könnte? Hundertfünfzig Jahre nach dem Erscheinen des Werkes hat sich der...
