Der Kaiser als Gentleman
Sie ist die Strippenzieherin im Reiche Roms. Sie will den Kaiser ermorden lassen, weil der es zunächst ablehnt, sie zu heiraten. Vitellia ist eine Auftraggeberin für Killer, die die schmutzige Arbeit an ihren Geliebten Sesto delegiert und am Ende doppelt glücklich davonkommt, weil das Attentat gescheitert ist und sie ausgerechnet von ihrem Wunschopfer begnadigt wird. So viel Boshaftigkeit und die späte Einsicht, sich verrannt zu haben, erfordern eine wandlungsfähige Stimme. Alexandrina Pendatchanska besitzt zweifellos eine solche.
Bei der von René Jacobs geleiteten konzertanten Aufführung von Mozarts «Tito» in der Kölner Philharmonie war sie der Dreh- und Angelpunkt in einem äußerst homogenen und gleichzeitig sehr differenziert agierenden Sängerensemble. Die Zweigliedrigkeit ihrer Auftrittsarie «Deh se piacer mi vuoi» mit ihrem kokettierend-werbenden ersten Teil und dem mahnenden zweiten arbeitete sie mit einer besonders in den Koloraturen überzeugenden Entschlossenheit heraus. Auch die Rezitative, vor allem das «Ecco il punto» im zweiten Akt, füllte sie mit einer die fehlende Bühne vergessen machenden dramatischen Gestaltungskraft. In der nachfolgenden Arie «Non più di fiori» ...
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Wieder einmal geriet Italiens Opernlandschaft in Aufruhr. Im Unisono-Chor, wie in einer frühen Verdi-Oper, erhob sich der Protest der Intendanten: «Sollte es bei dieser Regelung bleiben», verkündeten mehrere Theaterleiter entrüstet, «werden wir unsere Häuser sehr bald schließen müssen.» Ursache der Bestürzung war die im neuen Haushaltsgesetzentwurf für 2006...
Mit seinen Opern verfuhr Georg Friedrich Händel pragmatisch: Wenn für eine Wiederaufnahme die Sängerbesetzung gewechselt hatte, zögerte er nicht, das ganze Werk auf deren Stärken und Schwächen hin neu zuzuschneiden. Zwölf neue Arien schrieb er, als seine erste Londoner Seria «Radamisto» Ende Dezember 1720, nur ein halbes Jahr nach der umjubelten Premiere, wieder...
Schaut man nicht real hinunter in den Schlund, der an viel zu vielen Orten der Stadt gähnt, sondern imaginär hinauf zu den Musen im Olymp, dann könnte man meinen, es sei neuer Glanz eingekehrt in die Hütte. Leipzig, von nicht wenigen Kulturschaffenden nach wie vor als provinzielles Fürstentum der Kunst belächelt und seit Monaten durch die megalomane Baustelle...
