Elegie für reife Liebende
Es klingt alles so überlegen, wohldisponiert und kenntnisreich. Kein inszenierter Event, sondern eine Geschichte mit Geschichte, eine in der alles zusammenpasst. Lange hat sich Edita Gruberova Zeit gelassen für die Partie der Norma. Hat sich in konzertanten Aufführungen an die schwerste aller Bellini-Rollen herangetastet, erst in Tokio, dann in Wien und Baden-Baden, wo ein viel gepriesener Mitschnitt entstand (OW 7/2005).
Münchens Staatsintendant Peter Jonas sicherte sich das Recht der ersten szenischen Nacht, stellte der Primadonna assoluta den Stilkenner Jürgen Rose als Regisseur zur Seite. Die Karten für die Premiere waren, wen wundert’s, innerhalb von zehn Minuten ausverkauft. In der Kassenhalle wedelten bei der zweiten Aufführung Karten suchende Damen im Nerz mit Fünfhundert-Euro-Scheinen. Gruberova gab im Vorfeld kluge Interviews, in denen sie betonte, die Stimmbänder würden einem Sänger sagen, was geht und was nicht. Friedrich Haider differenzierte in nicht weniger klugen Statements den Belcanto-Begriff und warb für ein «Norma»-Verständnis jenseits von pastoser Dauer-Dramatik.
Spätestens nachdem die Cabaletta von «Casta diva» mit viel Krach und noch mehr Ach zu Ende ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Spätestens mit Walter Felsenstein ist uns bewusst geworden, dass die Opernbühne zweierlei Arten der Darstellung erlaubt. Einmal das «mit Ausdruck Singen und dazu Spielen», wie es für die Oper als Regel gilt. Freilich nicht fürs Musiktheater. Denn für Letzteres ist Musik «nicht etwas vorher Gegebenes, in das der Sänger sich während des Singens einfühlt» (Joachim...
Eine komplette Wagner-Oper aufzunehmen, wäre in den dreißiger Jahren technisch durchaus schon möglich gewesen, doch kaum ein Musikfreund hätte das fertige Produkt auch bezahlen können. Aus gutem Grund also hat sich Electrola im Falle der «Meistersinger», die 1938 nicht in einem trockenen Studio, sondern auf der Bühne der Semperoper eingespielt wurden, auf den...
Wenn Zürich jetzt Händels «Orlando» von 1733 herausgebracht hat, wünscht man sich, dass Alexander Pereira die beiden anderen Händel-Opern nach Ariost, nämlich «Ariodante» (1734) und als Wiederaufnahme «Alcina» (1735) folgen lassen möge, um alle drei dann zu einer Trilogie zusammenzuschließen (nach dem Vorbild der Zürcher römischen «Kaiser»-Trilogie mit Monteverdis...
