Abgeschossen
Ein halbes Jahrhundert dauerte es, bis Bernd Alois Zimmermanns «Soldaten» nun auch Wiesbaden erreicht haben. Das in seinen inneren Dimensionen riesige, aber bis ins winzige Detail durchstrukturierte Bekenntniswerk eröffnete die Maifestspiele 2016. Uraufgeführt wurde es bereits 1965. Ein klares Signal des neuen Intendanten Uwe Eric Laufenberg. Ein überfälliges Signal auch, denn die Maifestspiele haben zwar eine lange, bis ins 19.
Jahrhundert zurückreichende Tradition, sie hatten aber in den letzten Jahren – umspült von einer starken Festival-Flut – längst ihre Konturen verloren und waren im Opernbereich eine müde Mischung aus Gastspielen und Hausmannskost.
Nun also – nein, kein Paukenschlag, sondern ein «Schreiklang», wie Zimmermann das nannte: in sich heftig verschobene Cluster, maximaler musikalischer Überdruck, ein multimedial entworfenes, Zeit und Raum durcheinanderwirbelndes, nach wie vor hypertrophes Musiktheater. Was bei Lenz, der literarischen Vorlage, eine bitter-satirische, sozial präzise Anklage von «Soldatenmenschen» ist, das weitet Zimmermann zum Menschheitsdrama: Das ganze Leid der Welt wird auf das gefallene Bürgermädchen Marie projiziert. Homo homini lupus. ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Stephan Mösch
Gerade haben Sie mit der «Idomeneo»-Elettra Ihrem Repertoire eine neue Rolle hinzugefügt. Wie gehen Sie mit so einem Charakter um? Versuchen Sie, Verständnis für die Figur zu entwickeln?
Eigentlich kann ich sie nicht verstehen. Elettra ist voller Rachegefühle, und in meinem normalen Leben spielen Zorn und Rache keine Rolle. Sie hat aber eben deshalb sehr klare...
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Ein zerstreuter Flaneur könnte es glatt übersehen, das Konserthus am Götaplatsen. Wie das vis-à-vis gelegene Stadsteater kauert der Bau im Schatten des stirnseitig auf einem Plateau thronenden Konstmuseums. Die Vorzüge des von dem schwedischen Architekten Nils Einar Eriksson entworfenen, 1935 eröffneten Quaders finden sich im Inneren. Alles kündet hier von einer...
