Mensch, Tier, Zeichen, Ding
Wenn einer in biblischem Alter noch staunen kann wie ein Kind und wenn er, mehr noch, andere mit der elementaren Kraft dieses Staunens anzustecken, mitzureißen, zu verzaubern versteht, dann ist man versucht, von einer genialen Gabe zu sprechen. Achim Freyer, der große Maler und Spieler, Sinnsucher und Rätselmann, ein Magier des Theaters, der mit fast jeder seiner Arbeiten für die Opernbühne ein wundersam offenes Kunstwerk schuf, das alle Deutungsversuche überschießt, hat sich diese Gabe auch im 78. Lebensjahr bewahrt.
Es müssen kosmische Blitze sein, die Freyers vitale Schöpferkraft immer wieder elektrisieren. Die hohen Gagen, die er fordern kann, um sein Ensemble und jene Gründerzeitvilla in Berlin-Lichterfelde zu finanzieren, die ihm als Rückzugs- wie Arbeitsstätte dient und die er eines Tages als Privatmuseum zugänglich machen möchte, dürften den geringsten Anteil an der Befeuerung seines kreativen Furors haben – Geld ist Mittel zum Zweck, die Voraussetzung dafür, dass er den ewig bohrenden Fragen nach dem Woher, Wohin und Warum der Schöpfung nachgehen kann. In mächtigen, archaischen, traumverlorenen Bildern, die uns auf geheimnisvolle Weise die Sinne öffnen und das Denken ...
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Opernwelt Juli 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Albrecht Thiemann
Das Ende des Trojanischen Krieges liegt schon einige Jahre zurück. Idomeneo, König von Kreta, hat längst abgedankt, Sohn Idamante hat die Geschäfte übernommen und mit Ilia einen hübschen Knaben gezeugt. Der glückliche Ausgang von Mozarts Musikdrama legt eine solche Fortsetzung nahe. Alles hat sich zum Besten entwickelt: Frieden zwischen den Völkern, Liebe unter den...
Kontinent Sciarrino» betitelten die Salzburger Festspiele 2008 ihre neunteilige, dem Schaffen Salvatore Sciarrinos gewidmete Veranstaltungsreihe. An der überragenden kreativen Originalität und Potenz dieses nach Luigi Nono wohl bedeutendsten italienischen Komponisten des letzten halben Jahrhunderts bestehen heute kaum mehr Zweifel. Wer allerdings seine Werke hören...
Die Blumen sind schön. Und riesig. Einen ganzen Balkon könnte man mit ihnen schmücken. Oder die größte Vase der Welt. Doch hier, wo es darum geht, die Liebe und ihre Tauglichkeit fürs Leben zu erproben, dienen die langstieligen gelben und fliederfarbenen Schönheiten einzig und allein der Werbung zweier falscher Galane. Also wedeln die Herren Ferrando und Gugliemo,...
