Glut und Grazie
Über ihre darstellerische Identifikation mit der Rolle lässt sich nichts sagen. Wohl aber etwas über ihre sängerische. Anja Harteros gab ihr Rollendebüt als Leonora in Verdis «Trovatore», steckte aber nicht im Kostüm. Denn die Kölner Oper hat das Werk konzertant angesetzt, nicht im Stammhaus, sondern in der nahe gelegenen Philharmonie, die rechtzeitig als eine von mehreren Interimslösungen von der Intendanz auserkoren worden war.
Wenigstens für Stunden war damit die kommunale tour d’erreur vergessen.
Dass man sich in der Domstadt, von politischer Seite, heftig rangelt und blamiert, ist ja nichts Neues. Diesmal geht es um die Suche nach dem besten von mehreren mäßigen Ausweichquartieren für die kommenden Spielzeiten. Man wird sich festlegen müssen, so oder so. Bleibt nur zu hoffen, dass man mit der Entscheidung nicht den Intendanten und den GMD im pas de deux vergrault.
Die erste von drei «Troubadour»-Aufführungen wurde laut bejubelt. Das lag vor allem an den beiden Protagonistinnen, da die männlichen Kollegen auf Mittelmaß verharrten. Während sich Mirco Palazzi als Ferrando achtbar schlug, kämpfte Kiril Manolov als Graf Luna mit den oberen Tonbereichen und der Kunst der Kantilene – ...
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Opernwelt April 2011
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Christoph Vratz
Sambafieber erwartet man in einer brasilianischen Oper des späten 19. Jahrhunderts vergebens. Mestizische Leidenschaften werden ein gutes halbes Jahrhundert später in Epen, Romanen und Gedichten von Rosa, Amado oder Andrade beschworen, ein wenig früher bereits in der immensen Musikproduktion von Heitor Villa-Lobos. Kunstmusikalisch orientiert sich der riesige...
«Es gibt Schriftsteller, die schon in zwanzig Seiten ausdrücken können, wozu ich manchmal sogar zwei Zeilen brauche», ätzte Karl Kraus. Jeder Schreibende mag sich bei dieser Attacke zunächst an die eigene Nase fassen. Doch nirgendwo passt sie treffender als auf die Autobiografien prominenter Mitbürger, wo Geschwätzigkeit oft als klug-charmante Plauderei verkauft...
«Soeben gelesen. Bravo, Bravissimo» – in diesen Ruf dürfte der Leser ausbrechen, der Fabian Kerns Dissertation über die Beziehungen der Coburger Theatermalerfamilie Brückner zu den Bayreuther Festspielen von 1876 bis 1914 gelesen hat. Das mit vielen Erstveröffentlichungen reich bebilderte Buch zeigt, dass geduldiges Quellenstudium noch viele unbekannte wie wichtige...
