Papier - und Marthalers Geist
Ein Mann in Schwarz reißt ein Stück aus einer Wand aus weißem Papier, formt es zu einer «Fliege» und schnürt es um seinen Hals. Mit einem anderen Ausriss fingiert er ein Notenblatt, fixiert es auf dem Klavier und beginnt, presto, die Ouvertüre zu «Le nozze di Figaro». Dramatis personae erscheinen und formen weitere der Wand entrissene Papierfetzen mit viel Fantasie zu Requisiten und Kostümteilen.
«Aus Papier kann man nach Belieben alles erschaffen.
Gleichzeitig ist es ein sehr zartes Material, verletzlich wie menschliche Gefühle», erklärten Elena Artiouchkina und Etel Ioshpa aus Russland ihr Inszenierungskonzept von Mozarts «Le nozze di Figaro», das beim Grazer «ring.award.05» mit zwei Preisen – jenen der Intendantenjury und der «Arts Administration Jury» der Universität Zürich – ausgezeichnet wurde. Zur Disposition stand freilich bloß der zweite Akt mit den Turbulenzen um Cherubino und seinem Versteck im Kabinett, hier mit Hilfe eines Papierbogens als vermeintliche Tür inspiriert gelöst (die Ouvertüre war Zugabe zur Verdeutlichung des Konzepts, das von jungen Singdarstellern des Wagner-Verbandes Hannover mit sicht- und hörbarer Freude realisiert wurde).
Zum vierten Mal fand dieser ...
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