Die Avantgarde lebt

Computergesteuert: John Cages «Europeras» als dreistündiges Happening in Aachen

Opernwelt - Logo

«Erst auf Brünnhildes inbrünstiges Flehen mildert Wotan seinen Spruch. Das Wasser teilt sich und gibt einen Durchgang frei.» Das rote LED-Laufband auf dem Portikus des Aachener Stadttheaters lockt Passanten an. Nach Zufalls­prinzip hat Volker Straebel Sätze aus Opern-Inhaltsangaben ausgewählt und nebeneinander gestellt. Das Theater der Kaiserstadt wagt sich als drittes Haus nach Frankfurt (1987) und Hannover (2001) an John Cages «Europeras». Das Ergebnis ist ein dreistündiges Happe­ning, das «Europeras» wirklich zu «Your Operas» macht.


Cage hat alle Elemente einer traditionellen Opernaufführung – Sänger, Instrumentalstimmen, Tanz, Bühnenbild, Kostüm, Licht, Inszenierung, Programmheft – auseinander dividiert und für die Frankfurter Uraufführung auf der Basis von vierundsechzig Repertoire-Werken von Gluck bis Puccini nach Zufallsverfahren neu collagiert. Die Aachener Fassung von Volker Straebel geht anders als Hannover auf die Uridee Cages zurück, «Euro­peras» ganz aus dem Repertoire des aufführenden Hauses zu entwickeln. Dafür wurden in einem gigantischen Kraftakt für alle Elemente der Auffüh­rung getreu dem Verfahren Cages und unter Verwendung seines Computer-Programms neue Stimmen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2006
Rubrik: Magazin, Seite 24
von Boris Kehrmann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Britten: A Midsummer Night's Dream

Hamburgs neue Opernintendantin und Generalmusikdirektorin Simone Young plant für die nächsten Jahre einen umfassenderen Britten-Zyklus für ihr Haus. Sie darf dabei auf die gute Britten-Tradition der Hamburger Oper verweisen, die einst mit Günther Rennert begann. Nachdem es längere Zeit einmal um das Opernschaffen des Komponisten etwas ruhiger geworden war,...

Reisen ins Innere

Einmal im Kreis laufen kann eine Reise zu einem fernen Ort bedeuten, ein kurzes Kopfnicken das Ende eines langen Schlafes anzeigen. Das chinesische Theater hat Bewegungen und Gebärden wie diese über Generationen entwickelt und bewahrt. Bertolt Brecht hat es bewundert. Oder präziser: Weniger die Techniken der Beibehaltung als jene der Veränderung des Ausdruckskanons...

Telemann: Don Quichotte

Die Tiere sind putzig. Kuschelige Kunstgebilde, süße Stoffwesen, inspirierende Installationssubjekte. Sancho Pansa schleppt seinen «Grauen», wie er den Esel liebevoll nennt, der ihn mehr liebt als die eigene Ehefrau (und vice versa), mit einem Tau auf die Bühne. Es folgt die Grande Dame der Pferdewelt, Rosi­nante, treue Gefährtin Don Quichottes, des edlen...