Verdi: Otello
Musikalisch würde Münsters neuer «Otello» jedem größeren Theater zur Ehre gereichen. Lance Ryan überzeugte bei seinem Deutschland-Debüt mit schlanker, hell timbrierter Stimme, die auch in den gefürchteten exponierten Höhen der Titelpartie über die nötige heldische Durchschlagskraft verfügt. Nur die Deklamatopassagen – etwa beim physischen Zusammenbruch Otellos im dritten Akt, in dem Ryan sich in aufgesetzte Schluchzer rettete – besitzen noch nicht genügend dramatische Substanz.
Jaco Venter war ein stimmlich ungemein sicherer, allerdings in der Artikulation des Textes oft etwas farbloser Jago. Rundum überzeugend Sabine Ritterbuschs Desdemona, die dem Gesang des schuldlosen Opfers – wie von Verdi gewünscht – tonschön und mit makelloser Phrasierung die nötige Empfindungstiefe gab. Am Pult sorgte Münsters GMD Rainer Mühlbach, trotz eines rabenschwarzen Abends der Streicher, für großbögigen Zusammenhalt und Spannung, wenn auch der letzte Biss fehlte. Szenisch war längst nicht alles so im Lot. Peter Beat Wyrsch fokussiert die Geschichte von der (Selbst)-Demontage des Helden als Kammerspiel. Dass dies nicht aufgeht, liegt nicht zuletzt an Boito und Verdi, bei denen sich das Drama eben ...
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