Von großen und kleinen Gefühlen
Liebhaber des französischen Lieds, der mélodie, werden bei dieser CD ins Schwärmen geraten. Véronique Gens gehört seit mehr als zwei Jahrzehnten zu den renommiertesten Interpretinnen der Barockoper, feiert aber auch mit Gluck, Mozart und französischer Musik des 19. Jahrhunderts Erfolge. Als Liedsängerin macht sie sich rar. Die einzigen einschlägigen CDs, Berlioz’ «Les nuits d’été» sowie ein Programm mit Liedern von Fauré, Debussy und Poulenc, liegen bereits 15 Jahre zurück, gehören neben den Aufnahmen von Sandrine Piau aber zu den herausragenden Recitals in diesem Repertoire.
Jetzt hat die Sopranistin 24 Lieder von Ernest Chausson, Henri Duparc und Reynaldo Hahn zu einem Bouquet zusammengebunden – Komponisten, die zwar im Schatten von Debussy und Ravel stehen, die als Kleinmeister abzutun aber weder ihrer liedgeschichtlichen Bedeutung noch ihrer musikalischen Qualität gerecht wird. Insbesondere die Lieder von Hahn, darunter fünf historisierende Pastiches aus den 1900 veröffentlichten «Études latines», sind faszinierende Beispiele eines gleichermaßen schlichten wie artistischen Umgangs mit den Stilmodellen der damals gerade wiederentdeckten Barockmusik. Gens singt sie, im Ausdruck ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: CD des Monats, Seite 21
von Uwe Schweikert
Enrique Granados ereilte der Tod auf der Heimreise von einem seiner größten Erfolge. Zu Beginn des Jahres 1916 hatte die New Yorker Met seine Oper «Goyescas» uraufgeführt, doch während der Rückreise in die spanische Heimat torpedierte ein deutsches U-Boot das britisch-französische Fährschiff «Sussex». Der Pianist und Komponist hatte gleich mehrfaches Unglück im...
Nächstes Jahr ist Schluss. Schluss mit den anstrengenden, zeitraubenden Auftritten auf der Opernbühne. Die Marschallin will Renée Fleming noch einmal geben, in der kommenden Saison, wenn Christoph Waltz seine «Rosenkavalier»-Inszenierung aus Antwerpen an Covent Garden auffrischt (mit Andris Nelsons am Pult). Und dann ein letztes Mal an der Met. «Niemand soll sagen...
Es schwinden jedes Kummers Falten, solang des Liedes Zauber walten», dichtete Schiller 1795 fast stammbuchhaft. Etwa eineinhalb Jahrhunderte später freilich, nach 1945, galt das Lied vielen Tonschöpfern als antiquiert; sie ließen es allenfalls als Parodie weiterleben. Doch einige der avancierten Komponisten akzeptierten dieses Abdrängen in ein ästhetisches Getto...
