Ein Traum

Psychologie der Sehnsucht: Christof Loy und Joyce DiDonato wagen sich in Genf an Rossinis «La donna del lago»

Opernwelt - Logo

An dem Vorurteil, mit dem die neapolitanischen Seria-Opern Rossinis nach wie vor zu kämpfen haben, hat die 1819 uraufgeführte «Donna del lago» keinen geringen Anteil. Doch während andere Werke aus seiner neapolitanischen Periode («Ermione», «Semiramide») inzwischen ernster genommen werden als noch vor zwanzig Jahren, steht die «Dame vom See» nach wie vor im Ruf eines hoffnungslosen Falls. Wohl auch, weil bislang eine Produktion fehlte, die bewiesen hätte, dass Rossinis Walter-Scott-Adaption mehr ist als eine Koloraturenolympiade in den Highlands.

Wenn das Stück auf den Spielplänen auftaucht, dann meist nur als konzertanter Showcase für durchreisende Starartisten des Rossini-Zirkus.

Ob sich daran nach der neuen Genfer Produktion etwas ändern wird? Zumindest kann jetzt niemand mehr behaupten, das Libretto sei heillos verworren: Auf der Bühne des Grand Théâtre de Genève erzählt Christof Loy das Schottenstück geradlinig als Lovestory zwischen Mauerblümchen und Traumprinzen, deren Gefühle schließlich über alle operntypischen Widerstände wie Väter und Nebenbuhler triumphieren. Fast wirkt die «Donna» wie eine historisch lokalisierte Variante der drei Jahre zuvor geschriebenen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2010
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Stars im Ensemble

Drei Sängerpersönlichkeiten, die ein Stück Musikgeschichte mitgeschrieben haben, sind im Mai von der Bühne des Lebens abgetreten. Zwei von ihnen machten Weltkarriere, verloren dabei aber nie die Bodenhaftung – stets waren sie in funktionierende Ensembles eingebettet; der dritte war der Typ des Ensemblesängers schlechthin, einer Spezies, die schon lange vom...

Maß aller Dinge?

Kahlenberg nennt sich der Aussichtshügel am Rande Wiens, vor dem die Donaumetropole sich hinstreckt wie ein bunt bestickter Teppich. Der Name lädt freilich auch zu einem ätzenden Wortspiel in Zusammenhang mit dem Alban-Berg-Jubiläum und den Wiener Festwochen 2010 ein. Denn Letztere feiern die 125. Wiederkehr des Geburtsjahrs dieses Komponisten mit einem ziemlich...

Romantische Geister

Charles Gounod, Jahrgang 1818, war nur ein Jahr älter als Louis Théodore Gouvy. Doch beim Studium am Pariser Conservatoire sind sich beide – offiziell – nie begegnet, da Gouvy nicht im Besitz der französischen Staatsbürgerschaft war und er deshalb Privatunterricht bei den Lehrern des Conservatoire nehmen musste. Auch die Rom-Aufenthalte der beiden Komponisten lagen...