Und ewig lockt das Mittelalter

Otto Nicolais «Il templario» und Carl Goldmarks «Merlin» als Wiederentdeckung auf CD

Opernwelt - Logo

Immer weniger Natur, immer mehr Industrie, mehr Technik, mehr Tempo, mehr soziales Gefälle. Die Menschen im 19. Jahrhundert lehnten sich auf gegen die rasante Veränderung ihres Lebensumfeldes. Schon Goethe ahnte, dass die Entwicklung, deren Anfänge er mitbekam, einschneidend und unumkehrbar war. Und er war froh, dass er sie nicht mehr erleben musste. In der Oper spiegelte sich die Suche nach einer Gegenwelt, nach Ausflucht und den Möglichkeiten einer bunten Fantasie vor allem im Rückgriff auf das Mittelalter.

Zwei denkbar kontrastreiche, lange vergessene Stücke zeigen, wie das konkret klingen konnte. In beiden Fällen musste das Notenmaterial erst mühevoll erstellt werden, war der Aufwand der Einstudierung enorm. In beiden Fällen hat er sich gelohnt. Denn es geht um zwei Wiederentdeckungen von musikgeschichtlicher Signifikanz. Dass die ästhetische Qualität der Stücke oft zu wünschen übrig lässt, steht dazu nicht im Widerspruch.
Das Theater Chemnitz brachte 2008 eine szenische Produktion von «Il templario» heraus (siehe OW 5/2008). Otto Nicolai war dreißig Jahre alt, als er dieses «Melodramma» nach Scotts «Ivanhoe» schrieb. Mit seinen späteren «Lustigen Weibern von Windsor» hat es ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2009
Rubrik: Medien/CDs, Seite 29
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Der Pionier

Ein Kind des Nordens war er von Anfang an. Ein Spross der Hamburger Bürgerkultur. Oder sagen wir besser: ein halber Norde, denn seine Vorfahren sollen aus dem italienischen Adelsgeschlecht d’Pazzi stammen. Dies ist zwar wohl eine Legende, sie hilft aber, Friedrich Pacius gesamteuropäisch zu verorten. Am 19. März 1809 wurde er in eine erst seit 1806 in Hamburg...

Am Ziel

Der «Ring» am Landestheater Detmold ist geschlossen. Intendant und Regisseur Kay Metzger sowie Generalmusikdirektor Erich Wächter haben das Wagnis auf sich genommen und mit der «Götterdämmerung» jetzt einen klaren Sieg davongetragen. Vor allem dem Ensemble und dem Orchester des Landestheaters ist eine für ein Haus dieser Größe höchst beachtliche Leistung gelungen.
K...

Macht und Ohnmacht der Bilder

Was die Ruhrtriennale von vielen anderen Festspielen unterscheidet, sind nicht zuletzt die Räume. Wer 2006 Bernd Alois Zimmermanns «Soldaten» sah, wird das Zusammenspiel von Zimmermanns multiperspektivischem Kugel­theater mit der monumentalen Stahlkonstruktion der Bochumer Jahrhunderthalle ebenso wenig vergessen wie die magische Aura, mit der die leergefegte...