Lied von der Qualle
Dass in dem Wort Qualle die Qual enthalten ist, wäre eine kalauernde Erklärung, warum während des Finales im dritten «Figaro-Akt eine gewaltige Medusa mit Tentakeln sich wie ein fahler Mond am Horizont erhebt. Klar, eine Metapher, trotzdem unschön anzusehen, wie die seelische Qual, die sich hier das Hauptpersonal gegenseitig bereitet. Für Programmheftleser dechiffriert sich das Bild durch eine sophistische Volte im Gespräch zwischen dem Dramaturgen und der Regisseurin.
Er fragt, ob Quallen Liebeskummer haben … Hoffentlich nicht, repliziert die für die Inszenierung verantwortliche Christiane Pohle. Die Begegnung des «Figaro»-Personals mit einer «Tiefseeexistenz», vermutet sie, wäre vielleicht bereichernder als die mit «dem*r nächsten menschlichen Lebensabschnittsgefährt*in».
Wer so sprachlich murkst und die These dann auf die Bühne bringt, muss mit dem Einspruch von Mozarts Musik rechnen – selbst dann, wenn sie für einen Moment lediglich den Traum vom (gewesenen) Glück evoziert und damit eine pessimistische Sicht auf menschliche Beziehungsfähigkeit andeutet. Ein Moment wie am Schluss der Oper, nach der Bitte des Grafen um Verzeihung. Das schmerzliche G-Dur-Feld und die ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Götz Thieme
«Wandrer heißt mich die Welt», singt der alternde Wotan im «Siegfried». Wie in allen wichtigen Figuren seiner Musikdramen steckt auch im Wanderer der Komponist selbst. Im Libretto ist das Wandern allerdings eher ein metaphorischer Akt. Wotan streift ruhelos durch die Welt, nachdem er zum Opfer seiner eigenen Verträge wurde. Machtlos, wie er ist, kann er nicht...
Zwei Jahrhunderte schlummerte die Partitur in einem Zürcher Archiv. Erst Anfang der 1990er-Jahre wurde das von Philipp Christoph Kayser (1755-1823) auf ein Goethe-Libretto komponierte Singspiel «Scherz, List und Rache» im Liebhabertheater von Schloss Kochberg in Thüringen erstmals aufgeführt ‒ allerdings radikal gekürzt und in reduzierter Besetzung. Und man fragt...
Nomen ist hier für einmal nicht omen, denn es ist keineswegs ein Fischen nach Komplimenten, das Adam Fischer – der am 9. September 2019 70 Jahre alt wurde – am Ende des Buchs betreibt, wenn er unter dem Titel «Und das hätte ich gesagt?» feststellt, er habe sich quasi durch diese Biografie selbst mehr zu schätzen gelernt. Nicht ohne Ironie schreibt er, Autor...
