Blauhelme auf Lesbos
Nacht über Lesbos. Die antiken Götter(statuen) sind gestürzt. Polyodoros, der rechtmäßige König, soll von seiner Tochter Zelmira gemeuchelt worden sein. Unter den aufgepeitschten Sechzehnteln der kurzen Einleitung von Rossinis 1822 für Neapel komponierter Seria «Zelmira» bricht Azor, der Invasor und angebliche Spießgeselle der Titelheldin, blutend zusammen. Da entsendet die UNO (in der Neuinszenierung des mit seiner Compagnia Fattore K auf allen Theater-Festivals der Welt herumgereichten Kafka-Spezialisten Giorgio Barberio Corsetti) eine Abteilung Blauhelme auf die griechische Insel.
Düstere Wolken ziehen sich am Horizont zusammen (Bühne: Corsetti und Cristian Taraborrelli). Doch der blau bemützte Weltpolizist Antenor (Gregory Kunde, nach schwerer Stimmkrise wieder im Aufwind) heuchelt den Brustton moralischer Entrüstung in seiner chromatisch von der Solo-Klarinette umspielten, mit exaltierten Oktavsprüngen gespickten Auftritts-Cavatine nur. In Wirklichkeit hat der Schurke in der Uniform der Friedensmacht längst Blut geleckt. Er wird die rechtmäßige Regentin Zelmira, eine standhafte Leidensfigur wie aus dem barocken Märtyrerdrama, verleumden, wo er nur kann, sich mit Hilfe der ...
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