Misterioso
Nathaniel Hawthorne ist ein Klassiker der amerikanischen Literatur (The Scarlet Letter), doch er wird bei uns nur wenig gelesen. Es mag deshalb erstaunen, wenn ein deutscher Komponist für seine erste Oper eine frühe, kaum bekannte Erzählung dieses Autors als Sujet wählt. In The Wives of the Dead, um 1830 geschrieben, geht es um zwei Witwen, die erst vor Kurzem ihre Männer verloren haben. Während Mary ihr Schicksal duldsam hinzunehmen scheint, begehrt die temperamentvolle Margaret dagegen auf.
Eines Nachts werden beide kurz nacheinander durch Nachbarn aus dem Schlaf gerissen, die ihnen mitteilen, dass ihr Mann doch noch am Leben sei. Beide wollen mit ihrer Freude den Schmerz der Freundin nicht vertiefen und behalten die Neuigkeit für sich. Sind die nächtlichen Besucher reine Traumgestalten? Hawthorne lässt es offen, doch der letzte Satz spricht dafür: «She suddenly awoke».
Alois Bröder, Librettist und Komponist in Personalunion, erzählt die Geschichte gleich zweimal. Träumerische Wirklichkeit und realistischer Traum sind dabei keine Alternativen, sondern bedingen und ergänzen einander. Den Schlüssel zum Verständnis liefert ein hinzugefügter Text aus einer anderen ...
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Opernwelt März 2013
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Ekkehard Pluta
Mitunter überlebt Vergessenes oder Ausgeblendetes nahezu unbemerkt in Werken, die längst zum Kanon gehören. Wie jenes Zitat aus dem sechsten der Acht Lieder op. 6 (1903), das Schönberg in seinem 1924 unter Leitung Zemlinskys in Prag uraufgeführtem Monodram Erwartung op. 17 (1909) verwendet. Adorno hat in der Philosophie der neuen Musik darauf hingewiesen. Nun...
«Wenn man das Ohr an den Bauzaun vom Berliner Flughafen hält, kann man leise
die Elbphilharmonie lachen hören.» – Der Spruch zwitschert munter durchs Internet und ist schon fast ein Bonmot. Weil man die Baustellen so schön austauschen kann: gegen Stuttgart 21. Gegen die Berliner Museumsinsel. Oder die Berliner Staatsoper, die wohl noch ein Weilchen im Schiller...
Rechte Winkel, karge «Bauhaus»-Strenge. Befinden wir uns in einem Zuchthaus? Die eintönige Farbpalette der Kostüme spricht dafür: Man trägt Schwarz oder Dunkelblau, König Gustav einen Diktatorenanzug in Pflaume. Nur die Wahrsagerin Ulrica sticht durch ihre giftgelbe Schärpe heraus; sie ist auch die Einzige ohne Latexmaske. Grelles Licht strömt, brutal wie zum...
