Aus den Fugen
Schon mit dem Bühnenerstling «Adolf Wölfi» steuerte Georg Friedrich Haas 1981 auf das Spannungsfeld von Genie und Wahn zu. Auch «Nacht», die zweite Kammeroper des 1953 in Graz geborenen Komponisten, befasste sich in den neunziger Jahren anhand von Textfragmenten Hölderlins mit dem Thema «Umnachtung». Nach einem Exkurs zu Poe und Kafka, deren Texte gleichfalls eher dunkle Seiten der menschlichen Existenz beleuchten («Die schöne Wunde»), kreist die vierte Arbeit für das Musiktheater erneut um einen Künstler, der lange in der Irrenanstalt untergebracht war.
Gestützt auf den ersten Teil von Jon Fosses Roman «Melancholie» versah Haas eine zentrale Episode aus dem Leben eines in Vergessenheit geratenen norwegischen Malers mit neuer Musik.
Um 1850 kommt der aus beengten protestantischen Verhältnissen stammende Lars Hertevig zum Studium nach Düsseldorf. Er verliebt sich unglücklich in Helene, die Tochter der Zimmervermieterin, und wird auf Betreiben des Onkels schimpflich davongejagt. Der von seiner künstlerischen Sendung überzeugte und der Macht der Liebe überwältigte junge Mann beginnt «auszuticken».
Hertevigs Malerei, die sich zwischen William Turner und Edvard Munch bewegt, ...
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Seit nunmehr dreiunddreißig Spielzeiten bietet das Opera Theatre of Saint Louis ein ausgesuchtes Programm, das vom heimischen Publikum, von Besuchern aus ganz Amerika sowie von der internationalen Presse gleichermaßen geschätzt wird. Wenn die führenden US-Häuser (die Met in New York, die Lyric Opera in Chicago, die San Francisco Opera) schon Theaterferien machen...
Wozzecks Welt ist eine Scheibe. Fällt er von ihrem Rand, was ihm im Verlauf des Abends ein paar Mal passiert, fällt er ins abgründige Universum seiner wirren Fantasie. Martin Winkler spielt und singt das mit wilder, weher Leidenschaft und großer, fülliger Stimme; ein grob gewobener, doch gutmütiger Kerl, dem die Mitwelt so übel zusetzt, dass er sich zuletzt an dem...
Mit seiner 1817 uraufgeführten «Diebischen Elster» schuf Gioacchino Rossini sozialistisches Musiktheater, lange bevor es den Sozialismus gab: Die Heldin dieses melodramma, das Dienstmädchen Ninetta, stammt nicht bloß aus der untersten Gesellschaftsschicht, sondern nimmt für ihre Gefühle auch noch die große Arienform in Besitz, die bis dahin weitgehend der...
