Die heilige Rus in Glorie und Bedrängnis
Die Thesen des amerikanischen Politologen Samuel Huntington vom «Clash of Civilizations», dem eskalierenden Konflikt zwischen dem «Westen» und der islamischen Welt, sind zwar nach den Pariser und Brüsseler Anschlägen kaum hinfällig geworden, bleiben aber in ihrer pauschalen Polarität wenig produktiv. Gleichwohl verschärfen sich weltweit die Gegensätze zwischen Moderne, demokratischer Liberalität und dogmatisch nationalistischer Staatsfrömmigkeit, ob in Russland, Polen, Ungarn, der Türkei, in Ansätzen selbst der Schweiz, nicht nur der Sächsischen.
Das «Eigene» und das «Fremde» sind wieder tragende Begriffe geworden, und gerade in Russland haben sich bestürzende Paradigmen-Schwenks ergeben. Ausgerechnet unter dem Ex-KGB-Mann Putin ist Polemik gegen die orthodoxe Kirche unstatthaft, während vor 1990 prochristliche Meinungen tabu waren. Das alte, wahre, heilige, mächtige «Mütterchen» Russland ist erneut höchstes Gut, das Westliche des Teufels: Die alten Klischees von der generellen Unvereinbarkeit russischer und «europäischer» Mentalität feiern Auferstehung.
Da ist es natürlich überaus hilfreich, einen außerordentlich profunden Einblick in einen wesentlichen Sektor zu erhalten: Alexej ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 35
von Gerhard R. Koch
Philippe Boesmans ist nicht der erste, aber der bislang erfolgreichste Komponist, der Arthur Schnitzlers «Reigen» auf die Opernbühne brachte. Das «erektiefste» Stück , so das Bonmot des Schnitzler-Freundes Richard Beer-Hofmann, das bei seiner Uraufführung einen Theaterskandal auslöste, bietet mit seiner Variationsstruktur des Immergleichen – zehn Paare finden sich...
Ein halbes Jahrhundert dauerte es, bis Bernd Alois Zimmermanns «Soldaten» nun auch Wiesbaden erreicht haben. Das in seinen inneren Dimensionen riesige, aber bis ins winzige Detail durchstrukturierte Bekenntniswerk eröffnete die Maifestspiele 2016. Uraufgeführt wurde es bereits 1965. Ein klares Signal des neuen Intendanten Uwe Eric Laufenberg. Ein überfälliges...
Konventionell und langweilig ist es geworden, das Opernleben in Moskau. Daran können weder die wenigen gelungenen Inszenierungen (Georgij Issaakjans «Schlaues Füchslein» im Kindermusiktheater und «La Bohème» in der Neuen Oper), noch hervorragende vokale Leistungen (Nadja Michael als Katherina Ismailowa im Bolschoi Theater) oder Ausgrabungen (Martinus «Ariane» im...
