Das radikal Andere
Die Künstleragenturen waren zunächst perplex, als Dirk Löschner, der Intendant des Theaters Vorpommern, für seine Inszenierung von Richard Wagners Schwanenrittermär einen «asiatischen Lohengrin» suchte. Er hat ihn aber bekommen: Der Koreaner Junghwan Choi meisterte die Premiere in Stralsund mit einem ebenso kräftigen wie überaus klangschönen Tenor. Bei Löschner platzt Lohengrin als das radikal Andere in Gestalt eines fernöstlichen Ritters mitten ins Europa zwischen den beiden Weltkriegen.
Die pentatonische Färbung seiner Auftrittsphrase füllt sich dadurch verblüffend mit neuem Sinn. Heinrich (Tye Maurice Thomas) ist hier kein König, sondern der noble, wenngleich mürbe Präsident einer instabilen Republik. Geschickt wertet Löschners Regie den Heerrufer zum Spielmacher auf (mimisch und stimmlich glänzend: Alexandru Constantinescu), der im Gewand eines Varietébetreibers den politischen Umsturz plant, wohl im Bunde mit Telramund und Ortrud (beide stattlich, allerdings etwas grob gesungen von Thomas Rettensteiner und Elena Suvorova). Elsa (mit Wärme erfüllt von Anette Gerhardt) wird in den letzten Takten gewaltsam beseitigt.
Das Orchester unter der Leitung von Golo Berg ist oft ...
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Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Jan Brachmann
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