Süße Sauce
Für ihr neues Album «Souvenirs» wird Anna Netrebko im gala-bunten PR-Buch ein Text mit dem Beigeschmack hohen Schwachsinns in den Mund gelegt. Es sei «wie ein prächtiger Blumenstrauß mit den verschiedensten Blüten und Farben. Es soll eine wunderbare Palette an Gefühlen schaffen – Leidenschaft, Freude, Liebe, Zärtlichkeit». Zusammengestellt sei das Programm, so der holde Text, «wie ein gutes Menü».
Achtzehn Gänge hat das Menü.
Menü? Man muss schon einen pantagruelischen Appetit haben, um den gargantuesken Schmaus zu verschlingen, und einen sehr gesunden Magen, um diesen zu verdauen – auf jeden Fall aber eine hohe ästhetische Toleranzschwelle. Auf Giudittas «Meine Lippen küssen so heiß» folgt Louises Sehnsuchtsgesang «Depuis le jour», diesem die Barcarolle aus Offenbachs «Hoffmann», dieser Strauss’ «Cäcilie» – um nur vier Gänge dieses Allerlei zu nennen, bei dem jeder der achtzehn Gänge schmeckt wie jene süffig-wohlgefälligen Coca-Cola-Weine, die für den internationalen Touristenmarkt produziert werden.
Was das Gesangliche angeht: Die Stimme von Anna Netrebko bringt jede Menge Öchsle mit. Sie ist, wenn man von einigen hart-gleißenden Turandot-Tönen in den Operetten-Titeln aus ...
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Mrs. DiDonato, dürfen wir Ihnen ein Kompliment machen?
Gern. Welches denn?
Sie haben ein großes und für den Opernbetrieb nachgerade erstaunliches Talent als Schauspielerin. Haben Sie heimlich geübt?
Nein. Auch wenn Sie es nicht glauben. Spielen war für mich immer natürlicher als Singen, schon an der Highschool. Ich dachte nie darüber nach, was ich wie tun musste. Ich...
Luigi Dallapiccolas Kurzoper «Il prigioniero» («Der Gefangene»), 1944 unter dem Eindruck des italienischen Faschismus begonnen und 1949 (unter der Leitung Hermann Scherchens) in Turin uraufgeführt, ist neuerdings wieder häufig auf den Spielplänen zu finden. Zuletzt stand das von melismatisch-expressiver Italianità durchsetzte Zwölftonopus in Paris zur Diskussion...
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