Entzaubert
Das Wunder bleibt aus. Kein Blitz entzündet – wie vom Librettisten Victor-Joseph Etienne de Jouy vorgesehen – am Ende Julias Schleier, um die heilige Flamme wieder zu entfachen. Bei Regisseur Eric Lacascade kommt das magische Licht in «La vestale» ganz profan zurück: Auf Wink der Oberpriesterin greift eine Vestalin zu einer Dekoleuchte. Der Pontifex maximus und seine männliche Entourage fallen trotzdem auf den Trick der Tempelfrauen herein – Licinius, der siegreiche Feldherr, und Julia, Vestalin wider Willen, erhalten ihren Segen.
Lacascade ist nicht der Erste, der dem von den Göttern verfügten Happy End in «La vestale» misstraut. Am Théâtre des Champs-Elysées steuert er das Geschehen immer wieder und immer tiefer in ironische Gewässer. Der burleske Schluss könnte den Titel «Die Vestalin oder der verhinderte Kuss» tragen. Das drei Akte lang am Rendezvous gehinderte Liebespaar schafft es nicht, einander die Lippen aufzudrücken. Das jubelnde Volk ist hinter den beiden her – in einer heiteren Verfolgungsjagd, die durchaus Stummfilmkomik besitzt.
Der temporeiche Ausklang passt durchaus zu der schmissigen Musik für das Finale. Insgesamt hinterlässt die Inszenierung jedoch einen ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Mathias Nofze
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