Janácek: Katja Kabanova
Auf Fotos und Zeichnungen wirkt Leos Janáceks Haarschopf, als sei er mit Starkstrom frisiert, und auch die Partitur von «Katja Kabanova» hat etwas Widerborstiges. In Kirill Petrenkos Partiturauslegung im Theater an der Wien freilich drängt das Grelle, Brutale nur in Ausnahmefällen aus dem Orchestergraben; man erlebt vielmehr ein differenziertes Spiel mit den mannigfaltigen Farben, hört die stillen, träumenden Wasser der Wolga, aus denen auch motivisch in dieser Oper alles entsteht. Stille, von der die Ohren schmerzen. Dunkel ist die Wolga, ist der Tod.
Was der Komponist zur Figur der Katja vermerkte – sie sei eine junge Frau mit einem derart weichen Naturell, dass er befürchte, sie würde in der prallen Sonne schmelzen – greift Melanie Diener stimmlich mit zarter Verletzlichkeit auf. Verzückt reckt sie die Arme gen Himmel: wieder so eine, die ihr Glück in die Wolken wirft, bis hinauf zu den Sternen, die freilich nur Kälte zurückgeben. Konsequent ihre Selbstvernichtung – auch der Schwäche ihrer Männer wegen: Gatte Tichon (der solide Raymond Very) ist ein großer schlapper Lackl, und Liebhaber Boris in Gestalt von Robert Brubaker wirkt rollengemäß eher indifferent, in den Schatten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Sie sind zur Zeit gewissermaßen von Ihren Namensvettern umstellt: Vor Ihrem Partiedebüt mit dem Don Carlo di Vargas in «La forza del destino» im März an der Wiener Staatsoper sangen Sie im «Don Carlos» in Valencia den Rodrigo, Marchese di Posa: zwei ziemlich gegensätzliche Charaktere. Welcher der beiden ist Ihrem Herzen näher?
Haben Sie mehrere Kinder? Welches...
Die scharfsinnigsten, zugleich unterhaltsamsten Randbemerkungen zur Bayreuther Dauerkabale stammen aus der Mitte des Wagner-Clans; sie finden sich in dem vor zehn Jahren erschienenen Buch «Wagner Theater» von Nike Wagner, der Tochter Wielands und Urenkelin Richard Wagners. Seit Cosima, so Nikes Leitgedanke, sich zur Hüterin des (testamentarisch nie fixierten)...
Zum 100. Geburtstag von Rimsky-Korsakow überraschte das Teatro Lirico in Cagliari mit einer szenisch und musikalisch gelungenen Inszenierung des Meisterwerks «Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch und der Jungfrau Fewronia». Die Koproduktion mit dem Bolschoi Theater wird im Oktober auch in Moskau gespielt. Die vorletzte Oper des Komponisten wurde in...
