Protokoll eines Lebenskampfes
Als sich Benjamin Britten Ende der 1960er Jahre mit der Vertonung von Thomas Manns «Tod in Venedig» zu beschäftigen begann, stellte er sich einer Herausforderung, die er sein ganzes Leben über gescheut hatte. «Ich bin so mutig, das Beste zu machen, was ich jemals geschaffen habe», äußerte sich der zu diesem Zeitpunkt schon schwerkranke Komponist – ein Mut, der sich nicht auf das Komponieren an sich, sondern auf die unmittelbare autobiografische Bedeutung bezog, die der Stoff besaß.
Die Zerrissenheit zwischen einem hehren apollinischen Kunstideal von Schönheit, Einfachheit und Form, das jegliche persönliche Sexualität sublimiert, und dem dionysischen Drang nach sinnlicher Erfüllung, die unerfüllte, mit zunehmendem Alter immer schmerzlicher bewusst werdende Neigung zu jungen Männern – in all diesen Konflikten des schaffensmüden Dichters Gustav von Aschenbach führte Britten zugleich die Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben. Der 1973 uraufgeführte «Death in Venice» ist so vor allem Protokoll eines Kampfes, der weit über den Charakter einer schwulen Coming-Out-Story hinausgeht und in letzter Konsequenz vermutlich nicht einmal die Venedig-Kulisse bräuchte. Der Künstler, der jeden Ort ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernhäuser sind – zumindest in Deutschland – vom Staat hoch subventionierte Wirtschaftsbetriebe. Natürlich fließt hier als Umwegrentabilität durch die Ausgaben der Beschäftigten, der Gastkünstler und vor allem der Besucher ein Vielfaches an die Geldgeber zurück. Doch selbst ein so erfolgreiches Haus wie die Bayerische Staatsoper schafft kaum mehr als 30 Prozent...
Herr Licitra, den Radames singen Sie allein in diesem Jahr 26-mal. Wird Verdi da nicht irgendwann zur Routine?
Selbst wenn ich mich drei Stunden in der Garderobe einsinge, ist es jedes Mal wieder etwas völlig anderes, sobald ich auf die Bühne muss. Die Gegenwart von zweitausend Menschen ändert die psychologische Situation total. Außerdem ist Radames einfach eine...
«Lohengrin» hat gegenwärtig Konjunktur (siehe OW 5/2009). Zwischen den beiden Extremen, Stefan Herheims überbordender und das Stück wohl auch überfordernder Assoziationsfülle in Berlin und Stanislas Nordeys visionärer Askese (oder was davon in Stuttgart übrig blieb), hat sich Jens-Daniel Herzog in Frankfurt für den Mittelweg, die realistische, die psychologische...
