Systemausfall

Valencia, Berlioz: Les Troyens

Opernwelt - Logo

Wahrlich ein Superlativ. So spät haben die ungekürzt an einem Abend gegebenen «Trojaner» von Hector Berlioz sicher noch nicht angefangen. Es beginnt – wie in Spanien üblich – eisern um acht Uhr abends, und so gegen ein Uhr nachts kann dann endlich die Karthagerkönigin Dido in einem seltsamen Geisha-Look ihren hier aus Laptops errichteten Scheiterhaufen besteigen, wo auf Displays die Flammen züngeln. Das teils modernistisch billige, teils geistesschlichte Ambiente erlaubte spielend, sich auf die immensen musikalischen Vorzüge dieser Prestigeproduktion zu konzentrieren.

Denn ihre letzten royalen Seufzer haucht hier Daniela Barcellona aus: Der sonst über Rossini-Koloraturen herrschende italienische Mezzo bereitet einen Fachwechsel vor – und der verspricht dankt eines herb-samtigen, wohlig aufgefächerten Timbres spannend zu werden.
Leider sang Barcellona genauso wenig idiomatisch wie die übrige sehr gute, aber ohne Franzosen auskommende Besetzung. Stephen Gould war ein in der Höhe müheloser Aeneas mit beachtlichem Durchhaltevermögen. Was ihm – wie so oft – fehlt, ist die dramatische Durchleuchtung der Rolle, die aus Noten einen Charakter formt. Die schöne Mischung mit Barcellonas ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2010
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Manuel Brug

Vergriffen
Weitere Beiträge
Raus aus dem Drama

Kennen Sie den Film «Dieses obskure Objekt der Begierde» von Luis Buñuel?
Um ehrlich zu sein, nein.

Es ist ein Film, der die Bourgeoisie, wie es Buñuels Art war, nicht eben in positives Licht setzt.
Das heißt, man muss sich diesen Film anschauen...

Er erzählt die Geschichte eines gutbürgerlichen Mannes, der ein junges Mädchen liebt und es verführt, nach außen hin...

Ein Blick in die Werkstatt

Ein Puccini-Recital ungewohnter Art. Die (nach meiner Ansicht leider) ins Sopranfach gewechselte Violeta Urmana widmet sich Erstfassungen von Arien oder Szenen aus «Edgar», «Manon Lescaut», «Madama Butterfly», «Suor Angelica» und «La fanciulla del West», andererseits Zweitfassungen aus «La rondine». Zu ihren Partnern gehört der unermüdliche und – was seine...

Späte Rehabilitierung

Bergs «Wozzeck» wurde in Russland bisher nur ein einziges Mal inszeniert – 1927 in Leningrad. Es handelte sich um die zweite Auslandsproduktion nach der Uraufführung (die erste war damals in Prag zu sehen). Seitdem kursiert in Russland das Märchen von den unüberwindlichen Schwierigkeiten des Werks. Die Initiative zum ersten neuen Versuch nach mehr als acht...