Gefährliche Liebschaften
Dass Benjamin Britten und zahlreiche andere Komponisten des 20. Jahrhunderts um die Schönberg’sche Dodekaphonie und deren Folgen einen Bogen schlugen, war nicht nur das Resultat eines ästhetisch begründeten Unbehagens. Die Reserve gegenüber den Konstruktionen der Zwölfton-Avantgarde hatte auch handfeste rezeptionspolitische Gründe: Man wollte, statt bloß im Kreise eingeweihter Spezialisten zu glänzen, lieber das breite Publikum erreichen.
Zum Typus des pragmatischen Tonsetzers, der sich weniger als Missionar einer bestimmten stilistischen Wahrheit denn als Dienstleister für den Konzert- und Theaterbetrieb versteht, zählt zweifellos auch der 1963 geborene Wahlberliner Christian Jost. Bislang tat sich Jost vor allem mit Kammermusik, Solokonzerten und Symphonien hervor. Nun legte er seine erste abendfüllende Arbeit für die Bühne vor – im Auftrag der Deutschen Oper am Rhein und unterstützt vom Kultursekretariat des Landes Nordrhein Westfalen.
«Vipern. Eine mörderische Begierde in vier Akten» haben der Komponist und sein Librettist Tim Coleman das knapp zweistündige Opus genannt – eine schwül-groteske Kriminalgeschichte, die auf ein Drama der beiden Shakespeare-Zeitgenossen Thomas ...
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Joseph Merrick, den Elefantenmenschen, hat es gegen Ende des 19. Jahrhunderts wirklich gegeben. Er litt an einer genetisch bedingten Nervenkrankheit, die sein Äußeres derartig entstellte, dass er seinen Lebensunterhalt in den seinerzeit sehr populären Freakshows verdienen musste. Mit siebenundzwanzig Jahren ist er, wahrscheinlich aus freien Stücken, gestorben....
Etwas linkisch steht der junge Mann vor den zumeist älteren Herren, die ihn stumm und kühl anblicken. Es wäre übertrieben, würde man behaupten: Sie mauern. Aber skeptisch sind sie schon. Er redet viel und keineswegs auf den Punkt. Seine Witze, die auflockern wollen, verpuffen, weil ihre Pointen nicht sitzen. Nein, Carlos Kleiber hatte es nicht leicht, als er 1970...
Die vielleicht wichtigste Aufführung der aktuellen Saison am Teatro Real in Madrid ist die Neuproduktion von «Il barbiere di Siviglia», die als Joint Venture mit dem Teatro São Carlos in Lissabon entstand. Nicht nur, weil das Stück zu den beliebtesten Opern des Repertoires gehört und in Spanien spielt. Sondern vor allem, weil für diesen «Barbiere» eine spektakuläre...
