Pfings-Wunder in Herrenhausen

Opernwelt - Logo

Fünf Jahre hat sie das Gartenreich aufgemischt, nun ist Schluss: Elisabeth Schweeger, Gründungsintendantin der Kunstfestspiele in Hannover-Herrenhausen, wird fortan die Akademie für Darstellende Kunst in Ludwigsburg leiten. Zum Abschied haute sie noch mal ordentlich auf den Putz der barocken Welfen-Bauten – unter anderem mit einem live tönenden Dating-Parcours von Manos Tsangaris («Love & Diversity») und einem Spektakel für 700 Chorsänger von Wolfgang Mitterer («Labyrinth 14/3»).

Zur Eröffnung geschah gar ein kleines Pfingstwunder: eine Art interaktive Mediation über Mozarts «Requiem»-Torso im knapp 70 Meter langen und 12 Meter breiten Galeriegebäude. Wie eine sanfte Brise wehten geräuschhaft luftige Tongebilde des Südafrikaners Richard van Schoor durch den Saal, lösten den famosen Tölzer Sängerknaben die Zungen. Das rein männliche, ideal harmonierende ­Vokalquartett (Valer Saberdus, Terry Wey, Daniel Johannsen, Tomás Král) vermittelte perfekt zwischen den neuen und den alten Klängen. Und ­Michael Hofstetter, GMD des koproduzierenden Stadttheaters Gießen, führte sein Orchester von den flächigen Klangskizzen van Schoors zu den (um das «Ave verum» KV 618 erweiterten) Original-Teilen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2014
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Aus dem Zylinder

Im ungedruckten, aber in vielen Köpfen verankerten Regie-Warnbuch gilt so etwas als schwere Sünde: Zwischentitel und Verdoppelungen à la «Maledetto» oder Amelia «mit fünf», «mit zwanzig», «mit fünfundzwanzig», alles auch noch als Kreidezeichnung illustriert. Und wenn die Partitur sachte Streicherdünung fordert, kräuseln sich hinten die Wellen als nette...

Zwischen Kaverne und Schnürboden

Das ehemalige Schloss der Fürsten Schwarzenberg in Ceský Krumlov besitzt mit dem barocken Schlosstheater, dem einzigen mitsamt der Bühnenmaschinerie vollständig erhaltenen Barocktheater ­neben dem im schwedischen Drottningholm, eine Perle der europäischen Theaterarchitektur. Obwohl dort so gut wie keine Opernaufführungen stattfinden, durfte man gespannt sein auf...

Die Kraft der Einbildung

Hoch gelobt, aber kaum gespielt, das ist das Schicksal von Berthold Goldschmidts musikalischer Tragikomödie «Der gewaltige Hahnrei» – 1932 in Mannheim uraufgeführt, dann unter das Verdikt der Nationalsozialisten geraten, 1992 konzertant und 1994 szenisch in Berlin wiederentdeckt, danach nur noch in Bern und in Darmstadt angerührt. Jetzt hat sich das Stadttheater...