Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen
Eigentlich ist Wu Hsing-Kuo die Ruhe in Person. Ein scheuer Mann, in sich gekehrt, ernst. Nur selten huscht ein Lächeln über das scharf geschnittene Gesicht. Wu Hsing-Kuo scheint viel nachzudenken, über die verrückte Welt da draußen, über das Leben, über die Kunst, über sich selbst. Ein Stoiker, von dem niemand erwarten würde, dass er je aus der Haut fahren könnte. Doch er kann. Und wie er kann! Auf der Bühne ist Wu Hsing-Kuo ein anderes Wesen. Denn hier geht es für ihn ums Ganze, um nichts Geringeres als die Menschwerdung des Menschen im Spiel.
Und es muss perfekt sein, dieses Spiel. Die Bewegungen, die Artikulation, der Gesang. Die Maske und die Kostüme. Die Flips und die Salti. Die Gestik und die Musik. Alles muss ineinander fließen und wirken wie aus einem Guss. Keine Flüchtigkeit, kein Makel soll die delikate Balance der Ausdrucksmittel stören. Das Equilibrium, das ihm sein Meister als Ideal auftrug, damals in Taipeh, als er sich zu einem Darsteller des jingju, der so genannten Peking-Oper, ausbilden ließ. Die Harmonie, an der er – allen Zweifeln eines wachen, weltoffenen Zeitgenossen zum Trotz, der auch mit Stoffen und Formen des europäischen Theaters experimentiert – bis ...
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Hamburgs neue Opernintendantin und Generalmusikdirektorin Simone Young plant für die nächsten Jahre einen umfassenderen Britten-Zyklus für ihr Haus. Sie darf dabei auf die gute Britten-Tradition der Hamburger Oper verweisen, die einst mit Günther Rennert begann. Nachdem es längere Zeit einmal um das Opernschaffen des Komponisten etwas ruhiger geworden war,...
Das hätte uns auch behagt: rechts eine Flasche vortrefflichen Tokajerweins, vor uns eine Dose voll Tabak aus Sevilla. Und eine Klingel, um ein junges, schönes Mädchen von sechzehn Jahren zur Verrichtung kleinerer Dienste ins Zimmer zu rufen. So beschreibt Lorenzo Da Ponte das Arrangement auf seinem Schreibtisch zu jener Zeit, da er zwei Monate lang und zwölf...
Mitte März: Spätabends schleicht eine Gruppe junger Menschen durch die Luther-Stadt Wittenberg, bepackt mit Beuteln und Taschen, und lässt in jeden verfügbaren Briefkasten ein Stück Papier hinabtauchen. Wer sich am nächsten Morgen dieses Stück Papier zu Gemüte führte, dürfte einigermaßen überrascht gewesen sein. Nicht etwa ein Werbezettel, sondern ein Flyer...
