Die Männer von La Mancha
Als der spanische König Philipp III. sah, wie ein junger Mann sich vor Lachen krümmte, kommentierte er dies mit den Worten: «Entweder der Bursche hat den Verstand verloren, oder er liest gerade den ‹Don Quijote›». Kann man den eigentümlichen Charakter eines Buchs besser beleuchten, das vor genau vierhundert Jahren das Licht der nicht allein literarischen Welt erblickte? Fast siebzig Opern wurden seit 1680 dem Ritter vom traurigen Gesicht gewidmet (denn «figura» bedeutet nichts anderes als eben: «Gesicht»).
Fünfundsiebzig Jahre, nachdem der erste Teil publiziert worden war, erschien Don Quijote zum ersten Mal auf einer musikalischen Bühne: in Venedig, einer der bedeutendsten Opernstädte des 17. Jahrhunderts, in Gestalt von Carlo Sajons «Don Chisciotte della Mancia». Mindestens zwanzigmal wurde der Stoff vertanzt, mehr als ein Dutzend Symphonische Dichtungen und Orchesterstücke existieren zum Thema. Sogar die leichte Muse hat sich der Gestalt angenommen: Es sind immerhin ein Musical, eine Farce, eine Posse, ein Kinderspiel, eine Serenata und ein Marsch, in denen Don Quijote und sein Knappe auftreten. Hinzu kommen etliche Zarzuelas, Liedvertonungen und Filmmusiken, so dass man ...
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Wer hat nicht schon Mühe bekundet mit Strawinskys spätem Klassizismus? Wirken frühere Werke noch spritzig, funkeln dort die Anspielungen noch voller Spielwitz – in den Werken der Nachkriegsjahre wie der Oper «The Rake’s Progress» klingt Strawinskys Musik oft trocken. Dabei erscheinen die Arien und Duette im Korsett der tradierten Formen nicht selten zwanghaft. Umso...
Ein Gespenst geht um in der Opernszene. Es hört auf einen alten Begriff, den es verzerrt: Aktualität. Als sich Calixto Bieito kürzlich in Berlin an «Madame Butterfly» vergriff, verlegte er die Handlung in ein Etablissement für Sextourismus. Die Aufführung zu rezensieren, lohnt sich nicht, da sie nur ein weiteres Beispiel für die Guinness-Buch-verdächtige Fähigkeit...
Dominik Neuners Bühnenbilder, die er selbst für seine Inszenierungen schafft, haben hohen Wiedererkennungswert. Wie bei der «Elektra» im April gab es auch beim «Troubadour» in Kassel eine gewaltige Schuttwüste, die sich aus abstrakten geometrischen Elementen aufschichtete, Rahmen, Ebenen, Höhlen, bestimmt vom «männlichen» rechten Winkel. Einziger Fremdkörper ein...
