Verdi: I masnadieri

München

Opernwelt - Logo

Die Münchner Erstaufführung von Verdis «I masnadieri» fand überraschenderweise am Gärtnerplatztheater statt, das alles auf eine Karte setzte, sogar erstmals die italienische Originalsprache (mit deutschen Obertiteln) wagte und damit auf ganzer Linie gewann. Das betrifft nicht nur das differenziert spielende Orchester unter dem neuen Ersten Kapellmeister, dem 31-jährigen Ungarn Henrik Nánási. Es wurde auch der Abend des langjährigen Ensemblemitglieds Elaine Ortiz Arandes.


Noch bevor ein Ton erklungen war, schlurften verzweifelte, frierende Menschen mit schwarzen Wollmützen auf eine Bühne, die an die ausgebrannten Stahlträger des World Trade Centers erinnerte. Da schrie eine Frau unvermittelt «Antonio!» ins Publikum, und das Orchester antwortete nicht minder elektrisierend mit den ersten Fortissimo-Akkor­den der Ouvertüre. Solche Überraschungsmomente gab es immer wieder in der Inszenierung Thomas Wünschs, der die brandschatzenden Räuber Schillers überzeugend als Terroristen in einer zerstörten Welt des 21. Jahrhunderts zeigte.
Anführer Carlo Moor (tenoral mächtig auftrumpfend: Zurab Zurabishvili), verleumdet von seinem Bruder Francesco (ein gewaltig düster drohender Bariton: Mikael ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2008
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 64
von Klaus Kalchschmid

Vergriffen
Weitere Beiträge
Wir sind uns nicht böse

Am Ende, als die Bravo- und Buhsalven aus dem Zuschauerraum prasselten, gab Essens GMD und Opernchef Stefan Soltesz dem Regisseur nicht nur die Hand, er umarmte ihn auch nicht jovial, sondern er machte ­gehorsamst einen Diener. Ja, es ist ein Coup, dass Hans Neuenfels in Essen in­szeniert, wo er doch schon vor Jahrzehnten Theatergeschichte geschrieben hat in...

Der schwere Weg zum Menschen

Kaum zu glauben, dass Antonin Dvoráks «Rusalka» noch nie auf einer dänischen Bühne zu erleben war. Immerhin wurde das Stück 1901 uraufgeführt, und das Lib­retto des jungen Jaroslav Kvapil ist unverkennbar durch Hans Christian Andersens Märchen «Die kleine Meerjungfrau» geprägt. In der Reihe der zahllosen musikalischen Adaptionen, die das Sujet von der...

Strauss: Elektra

Bühnenbildner Michael Levine hatte für Robert Carsens «Elektra»-Inszenierung den Boden mit Erde bedeckt – ein Bild, das ebenso an Begräbnisse wie an Verdrängtes denken ließ, das es auszugraben gilt. Abgesehen von einem Beil, mit dem Susan Bullock als kompromisslos wütende Elektra in dem schmutzigen Grund herumkritzelte, war ein schneeweißes Bett, auf dem Agnes...