Der verlorene Sohn
Von Antonín Dvoˇráks zehn Opern hat es mit «Rusalka» gerade mal eine ins internationale Repertoire geschafft. «Jakobín» («Der Jakobiner») dagegen blieb schon wegen seines ausgeprägt folkloristisch und parodistisch überwölbten ernsten Sujets ein Außenseiter, der auch den Komponisten dramaturgisch nicht überzeugte – weshalb Dvoˇrák Jahre nach der Uraufführung (1889) eine Neufassung erstellte, die vor allem den zweiten Akt und große Teile des dritten betraf. Eigenartigerweise griff er in der Neufassung mit dem Tanz-Finale des letzten Akts sogar auf Konventionen des 18.
Jahrhunderts zurück. Andererseits werden hier die Tanzrhythmen des ganzen Stücks wie in einem Brennspiegel fokussiert.
Nach der ersten, keineswegs maßstabsetzenden Studioproduktion des «Jakobín» aus Brünn (1977) und dem Mitschnitt einer Aufführung in Wexford (2001) legt Gerd Albrecht nun eine sorgfältig erarbeitete LiveMontage konzertanter Aufführungen aus der Kölner Philharmonie vor, wieder – wie schon bei «Wanda» für Orfeo – mit WDR Rundfunkchor und Sinfonieorchester Köln.
Zwei Handlungsstränge, die Gelegenheit zu großen Chorszenen (sehr prägnant und lebendig: Prager Kammerchor und WDR Rundfunkchor), volkstümlich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das einzig Aufregende an der Stuttgarter Neuinszenierung von Verdis «Otello» hat Hausherr Klaus Zehelein im Programmheft versteckt: seine in Zusammenarbeit mit dem Dramaturgiehospitanten Oliver Müller geschriebene Deutung des Stücks, die Boitos Libretto und Verdis Musik als liturgisches Zeichensystem entziffert, in dem ein symbolisches Geschehen festgeschrieben...
Süß, diese Schäfchen. Wirklich entzückend, wie sie da, inmitten der glanzvoll kostümierten und choreografierten Singspiel-Schar, auf ihren blauen Rollen unschuldig weiß übers Parkett gerollt werden und dabei ganz zärtlich und dumm ausschauen – was wiederum zu der an diesem vornehmen Orte erzählten, tränenrührenden Geschichte wunderbar passt: Denn was wäre ein...
Wenigstens auf den Wettbewerb würden Freiburg und Saarbrücken gewiss liebend gern verzichten – den Wettbewerb nämlich, welches der beiden Häuser dem unwürdigeren Spardruck ausgesetzt ist. Als Gaetano Donizettis «Lucia di Lammermoor» dort im Zwei-Wochen-Abstand Premiere hatte, schien das Saarländische Staatstheater vorn zu liegen. Beeindruckend, wie sich der...
