Mann der Widersprüche
Wolfgang Borchert, der Literat der Stunde, formulierte es so: «Wir sind die Generation ohne Bindung und ohne Tiefe. Unsere Tiefe ist der Abgrund.» Borchert war 1921 geboren und traf unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg den Nerv der Zeit; «Trümmerliteratur» hat man das später genannt. «Draußen vor der Tür» heißt sein einziges Schauspiel, und es umreißt ein Lebensgefühl: Draußen lagen die Trümmer von Städten und Existenzen. Drinnen in den Menschen lagen die Trümmer ihrer Hoffnungen und ihrer Orientierung.
Die Vorstellung einer Stunde Null wuchs da schnell zur probaten Denkfigur. Politiker und Künstler nutzen sie gleichermaßen.
Unter den Musikern hat Karlheinz Stockhausen besonders radikale Formulierungen gefunden. «Die Städte sind radiert», schrieb er, «man kann nun von Grund auf neu anfangen, ohne Rücksicht auf Ruinen und ‹geschmacklose› Überreste». Es war die Geburtsstunde der seriellen Avantgarde.
Aus der Rückschau stellt sich die Stunde Null als Fiktion dar. Vielfach ist aufgearbeitet, wie stark personelle Kontinuität Politik und Kulturleben prägten. Die damit verbundenen, häufig subkutanen Wandlungsprozesse erscheinen aufschlussreicher als der elitäre, nur selten radikal ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Stephan Mösch
Die kunstvollen, teils kontrapunktischen Arien, die Ouvertüre und den Schlusschor gab es bereits – erstmals 1727 waren sie in London erklungen, bei der Uraufführung von Händels «Riccardo primo, Re d’Inghilterra» auf ein Libretto von Paolo Antonio Rolli. Als Telemann einen Druck der Gesangsnummern aus «Riccardo» erhielt, erschien ihm eine Aufführung in Hamburg...
Sie gilt als Spezialistin für extreme Rollen, für dämonische, gefallene, verratene Heldinnen, für Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs. Abseits der Bühne erweist sich die litauische Sopranistin Ausrine Stundyte als eine außerordentlich reflektierte Persönlichkeit – mit außergewöhnlichen Ansichten. Ein Gespräch über Männer, das Leben, die Liebe, den Tod – und...
«Traurig», stöhnte der Meister übers Libretto aus der Textwerkstatt à la Scribe, «demütigend», «uninteressant». Dann auch noch eine Primadonna, die kurzfristig aus Paris verschwand: Giuseppe Verdis «Les Vêpres siciliennes», so scheint es, sind die Presswehen noch heute anzumerken. Also Machwerk? Oder doch Vorzeichen der Moderne? Dabei fällt der Fünfakter ja gar...
