Gut gesagt ist halb gesungen
Frau Poplavskaya, in Ihrer Berliner «Traviata» konnte man eine Menge ungewöhnlicher Details hören. Zum Beispiel haben Sie die Zeile «Croce e delizia al cor» im ersten Akt jedes Mal anders gesungen und damit die emotionale Entwicklungskurve Violettas markiert. Machen Sie so etwas spontan?
Ja, ich arbeite auf der Bühne immer spontan. Und ich freue mich, wenn ich dabei solche kleinen Schätze finde.
Dennoch lassen solche Momente vermuten, dass der Text für Sie der Ausgangspunkt bei der Erarbeitung einer Rolle ist.
Ich bin besessen von der Textarbeit, wo auch immer mich das hinführt. Wenn man eine Oper singt, sollte man sich mit der Sprache auseinandersetzen, in der sie geschrieben wurde. Wie wir sprechen und mit der Realität umgehen, prägt unseren Umgang mit der Musik. Fjodor Schaljapin hat einmal gesagt: Ein gut gesagtes Wort ist schon halb gesungen. Wenn ein Satz gut gesagt ist, heißt das doch, dass er Bedeutung und Farbe besitzt. Das ist schon wie Singen. Oder auch wie Poesie – und darum geht es: Poesie zu schaffen, mit den Herzen und Seelen des Publikums zu spielen. Als Darsteller haben wir alle ein mephistophelisches Gen. Nur dass es nicht unsere Aufgabe ist, die Herzen zu brechen, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Interview, Seite 34
von Jörg Königsdorf
Frau Moses, Sie sind 2009 in Dessau mit dem Anspruch eines politischen Musiktheaters gestartet. Was haben Sie inzwischen bewirkt?
Unser Ziel war es, das bürgerliche Bewusstsein der Menschen hier, das 1989 einmal kurz und heftig aufflackerte, wieder aus der Resignation zu erwecken. Ob uns das nachhaltig gelungen ist, muss die Zeit zeigen. Aber schon aus der Art, wie...
Für Hugo Wolf musste ein Gedicht, um zum Lied zu werden, bereits bedeutend sein. Der Komponist vertonte Dichtungen, die erhebliches Eigengewicht mitbringen und die gut auch ohne Musik zurechtkommen. Zum Glück, schrieb der Schriftsteller und Kritiker Hans Weigel, habe Wolf zwar viel, aber nicht zu viel von Lyrik verstanden, denn er habe ja auch Emanuel Geibel und...
Eine knappe Woche vor dem großen Tag fiel die Entscheidung. Kein Anruf bei den Agenturen, keine Fahndung nach einem prominenten Ersatz für die an Lungenentzündung erkrankte Vesselina Kasarova; stattdessen ein Gespräch mit der zum Ensemble gehörenden Mezzosopranistin Tara Erraught. Ein Risiko, gerade im nach Namen lechzenden München: Erraught, die 24-jährige Irin,...
